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Undurchschaubarer Brandschutz

Zündstoff

Wer Hoteliers und Pensionswirten ankreidet, sie seien selbst schuld an ihrer Lage, weil sie beim Brandschutz gebummelt hätten, kommt ziemlich zynisch rüber. Denn er verkennt: Für Laien ist es komplett unmöglich, herauszufinden, was an ihrem Gebäude zu tun ist, um den Anforderungen zu genügen.

veröffentlicht am 01.09.2017 um 13:37 Uhr
aktualisiert am 01.09.2017 um 16:40 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Einfach mal „Brandschutz“ googeln und checken, was erledigt werden muss? Keine gute Idee. Denn verbindliche Richtlinien finden sich nicht an einer Stelle. Sondern: im niedersächsischen Brandschutzgesetz, der Landesbauordnung sowie in zig weiteren Normen, Regeln und Ausnahmeregeln. Die Vorgaben für die Feuerwehr spielen in das Ermessen ebenfalls hinein. Ganz zu schweigen von dieser und jener Ausführungs- und Anwendungsbestimmung oder Aktualisierung.

Wenn die Betreiber kleiner Hotels sich die Zeit nähmen, um sich all das notwendige Wissen draufzuschaffen, müssten ihre Gäste abends in ungemachte Betten klettern.

Wer hingegen eigeninitiativ einen Sachverständigen engagiert, ist seine Brandschutz-Sorgen längst nicht automatisch los. Denn niemand garantiert, dass die Entscheider in den Behörden seine Einschätzung teilen. So birgt vor dem Hintergrund schwammig formulierter Gesetze jede Einzelfallentscheidung einen gewissen Zündstoff. Das beweist nicht zuletzt er Umstand, dass Behörden und Sachverständige immer wieder im Clinch darüber liegen, was sein darf und was nicht.

Der Hang zur Überregulierung in unserer aktuellen Nullrisiko-Kultur torpediert die Forderung nach Augenmaß in jedem Fall.

j.lehmann@dewezet.de



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