weather-image

Eine Stadt wie Hameln sollte sich keine Investorenfeindlichkeit leisten

Vergebene Chancen

Die einen nennen es freies Spiel der Kräfte, die anderen sagen dazu schlicht Chaos. In jedem Fall ist das, was sich derzeit in Hamelns Politik abspielt, nicht allein mit einem Satz zu erklären und sollte auch nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden. Denn eines ist es gewiss: kompliziert. Der Finanzausschuss hat erneut offenbart, dass die aktuelle Politik in der Stadt nicht immer fokussiert und zielorientiert ist, sondern in vielen Fällen doch eher darauf ausgerichtet, zu taktieren, zu verzögern und zu verhindern.

veröffentlicht am 23.02.2017 um 18:57 Uhr
aktualisiert am 24.02.2017 um 09:59 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Dabei ist es überhaupt nicht schlimm, dass unsere Volksvertreter auf kommunaler Ebene gerade viel zu tun haben und ihre Sitzungen auch schon mal bis in die Nacht dauern. Dazu muss man wissen, dass die Politik diesen Stau teils selbst verursacht hat. Wir erinnern: Allein der Versuch, Koalitionen zu bilden, hat nach der Wahl sehr lange gedauert – auch weil der eine oder andere Entscheider in den Parteien und Fraktionen das Thema auf die lange Bank schob. Ja, es ist erlaubt, so zu taktieren. Aber so etwas hat in Zeiten, in denen Haushalte erstellt werden und zudem gleich mehrere Großprojekte anstehen, am Ende auch Folgen.

Als viel schlimmerer großer Bruder dieses Tohuwabohus gesellt sich in Hameln allerdings – mal wieder – eine nicht ganz kluge Investorenfeindlichkeit hinzu. Auf der einen Seite beklagen Wähler wie Politiker immer wieder, dass sich in der ohnehin schrumpfenden Stadt Hameln nicht so wirklich viel tue, dass die Stadt nicht wachse, dass es zu wenig neue Betriebe, Geschäfte, Aktivitäten gebe. Auf der anderen Seite werden reihenweise potenzielle Investoren verschreckt bis vergrault. Da dieses Phänomen in Hameln eine traurige Tradition hat, sollten sich die Beteiligten folgende Frage stellen: Wie lange kann man sich das leisten, ergo: Soll das so weitergehen? Erinnern wir uns: Es sind bereits mehrere Projekte in Politik und Öffentlichkeit madig gemacht worden. Ob es nun das geplante Bauprojekt des Steuerberaters Sticher auf dem Werder war, ob es der Plan des Hasperder Unternehmers Othmer war, am Bürgergarten das „Café am Ring“ neu aufzubauen, oder ob es nun das Votum von Rot-Rot-Grün, Frischem Wind und Piraten gegen den Bau eines Hauses der Wirtschaft an eben dieser Stelle ist. Der Eindruck, dass die Hamelner stets erst mal gegen etwas Neues sind und nicht dafür, dass jemand plant, baut und investiert, drängt sich nicht ganz von alleine auf.

Und um das klar zu sagen: Man kann die Idee eines Hauses der Wirtschaft mögen oder nicht, man darf den Standort am Bürgergarten gut finden oder eben auch schlecht. Doch eines sollten alle zusammen nicht tun: Potenziellen Investoren das Gefühl geben, dass sie unerwünscht sind. Doch genau das kommt dabei heraus, wenn sich die Politik immer wieder aufs Neue gegen Investitionen und Ideen ausspricht – ohne dabei Kompromisse zu formulieren. Café am Ring? Gerne. Haus der Wirtschaft? Auch gerne! Das ist und bleibt natürlich hohe Kunst.

Doch die scheint momentan nicht vorhanden zu sein. Auch weil ein Rat ohne klare Mehrheiten nicht wirklich verlässlich klare Kante zeigen kann. Wechselnde Mehrheiten sind anstrengend, rauben immer wieder Zeit, lassen wenig Spielraum. Es geht um jene Themen, die die Menschen hier bewegen und die die Stadt voranbringen sollen. Der Rat ist jedoch sehr häufig viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. t.thimm@dewezet.de



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt