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Behördenfehler sind ein Skandal

Kommentar zum Fall Lügde: Das darf doch nicht wahr sein

Der Respekt vor den Missbrauchsopfern von Lügde-Elbrinxen nötigt allen, die sich mit dem Fall beschäftigen, ein großes Maß an Zurückhaltung ab. Das gilt für Polizisten und Staatsanwälte, das gilt für Behördenmitarbeiter, und das gilt auch für Journalisten. Nichtsdestotrotz nimmt dieser Fall des Kindesmissbrauchs Dimensionen an, die die allermeisten Menschen nicht im Entferntesten für möglich gehalten hätten.

veröffentlicht am 19.03.2019 um 18:24 Uhr
aktualisiert am 19.03.2019 um 19:17 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Bei allen Dramen, die die mittlerweile 34 bekannten Opfer erlitten haben, müssen wir uns zwingen, ganz nüchtern die Fakten zur Kenntnis zu nehmen: Als wären die widerlichen Verbrechen der pädophilen Täter nicht schon genug, hat sich der Fall über die letzten Monate auch noch zu einem Behördenskandal ausgewachsen. Das Fehlverhalten der Ämter lässt zum einen die Opfer und deren Familien im Stich – erschüttert zum anderen aber auch das Grundvertrauen der Menschen in staatliche Stellen.

Nach diversen Ermittlungsfehlern und Pannen bei der Polizei im Lippischen, nach dem Nichtverfolgen von Hinweisen auf die Täter, nach verschwundenem Beweismaterial in Lippe sowie manipulierten Akten im Hamelner Kreishaus muss Landrat Tjark Bartels (SPD) nun zugeben, dass erstens noch mehr Akten frisiert worden sind als bisher angenommen und dass zweitens das Jugendamt in seinem Haus trotz mehrfacher Hinweise auf Pädophilie einen Mann als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt hat. Der Landkreis hat gleich drei unterschiedliche Verdachtsmomente nicht so überprüft, wie es sich gehört hätte. Das darf doch wohl alles nicht wahr sein …

Der Hinweis, man wolle nun alles besser machen, reicht bei einem solchen zum Himmel schreienden Fall nicht aus. Eine klare und verantwortliche Aufklärung muss her. Und Antworten auf Fragen auch. Warum hat das Jugendamt nicht richtig hingeschaut? Und: Hat das Jugendamt vielleicht doch deutlich zu wenig Mitarbeiter?

Längst hat die politische Einordnung des Behördenversagens eingesetzt. In Niedersachsen hat sich Sozialministerin Carola Reimann (SPD) als erste inhaltlich distanziert und das Verhalten des Kreises Hameln-Pyrmont als inakzeptabel bezeichnet. Es wird langsam Zeit, dass jemand die Verantwortung übernimmt.



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