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Unverantwortlich

Kommentar: Weihnachtsmarkt – einer zeigt auf den anderen

Dass wir aktuell über das Wohl oder Wehe von Weihnachtsmärkten diskutieren müssen, hat seinen Grund in einer blauäugigen Herangehensweise aller Verantwortlichen.

veröffentlicht am 01.12.2021 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 03.12.2021 um 09:50 Uhr

01. Dezember 2021 17:24 Uhr

Thomas Thimm
Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Dass wir aktuell über das Wohl oder Wehe von Weihnachtsmärkten diskutieren müssen, hat seinen Grund in einer blauäugigen Herangehensweise aller Verantwortlichen.

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Kommentar zum Artikel „2G+ auf dem Weihnachtsmarkt: Das sagen die Beschicker“

Weder das Land, der Landkreis noch die Stadt haben vor Wochen und Monaten die Kraft aufgebracht, Weihnachtsmärkte wie den in Hameln rechtzeitig abzusagen – oder wenigstens öffentlich zu bekunden, dass man während einer Pandemie solche Veranstaltungen bleiben lassen sollte. Bereits seit Juli hatten Wissenschaft und Medizin laut gewarnt, dass der Herbst und Winter eine schwierige Pandemie-Zeit werden würden. Kein Verantwortlicher kann behaupten, er habe das nicht gewusst.

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Unbeirrt wurden Lockerungen erlassen, Veranstaltungen geplant und genehmigt, der Weihnachtsmarkt promotet. Und nun, wo das Dilemma groß ist, weil der Weihnachtsmarkt an und für sich eine schöne Sache ist und seit Tagen läuft, die Beschicker selbstredend ein berechtigtes wirtschaftliches Interesse haben, aber blöderweise die Corona-Lage dramatisch ist – da zeigt einer auf den anderen und alle warten darauf, dass irgendjemand anderes den Schwarzen Peter übernimmt. Wenn Stadträtin Martina Harms sagt, die Stadt warte „mit Spannung auf Weisungen aus Berlin“, dann zeigt das vor allem, dass man vor Ort nicht gewillt ist, selbst Verantwortung zu übernehmen und den Menschen hier in dieser Stadt und dieser Region zu signalisieren, dass man sich um sie sorgt und kümmert. Die früher in Hameln tätige, heutige Göttinger Oberbürgermeisterin Petra Broistedt hat übrigens gezeigt, dass und wie das geht: Sie hat den Göttinger Weihnachtsmarkt abgebrochen und geschlossen – weil der Infektionsschutz nicht länger gewährleistet werden kann.

Eine verantwortliche Haltung, die in Hameln bislang niemand übernehmen will. Auch der Fachbereichsleiter Recht und Sicherheit, Christian Campe, nicht. Der behauptet lieber, dass der Stadt eine medizinische Einschätzung nicht zustehe. Warum eigentlich nicht? Campe ist für die Sicherheit der Menschen auf dem Weihnachtsmarkt zuständig – da dürfen die Menschen auch erwarten, dass die Stadt die Lage einschätzt. Dagegen offenbart Campes Aussage zu den Regelverstößen auf dem Weihnachtsmarkt, er habe „mit viel Schlimmerem gerechnet“, einen fatalen Offenbarungseid: Die Stadt hat also einen Weihnachtsmarkt eröffnet, von dem sie schlimme Regelverstöße erwartet hat. Das ist unverantwortlich.



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