weather-image
26°
×

Justitia braucht Weitsicht

Klare Kante

Etwa jeder zweite Deutsche findet, dass die Richter in diesem Lande zu milde mit Angeklagten umgehen. Dann ist oft zu hören, dass da jemand „doch weggesperrt gehört“ oder dass „die Richter endlich hart durchgreifen“ sollten. Es wird sehr schnell zu einem emotionalen Thema, bei dem der Volkszorn hochkocht. So auch im Hamelner Fall einer libanesischen Großfamilie.

veröffentlicht am 19.05.2017 um 17:07 Uhr
aktualisiert am 22.06.2017 um 17:52 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Die Tumulte am Amtsgericht und am Sana-Klinikum sind wohl noch jedem im Gedächtnis. Und alle sind sich einig, dass solche Szenen in unserer Gesellschaft nicht zu dulden sind. Also gehören sie bestraft. Das ist geschehen. Die Kernfrage lautet also: Urteilt unsere Justiz zu lasch? Die Meinungen hierzu gehen auseinander. Wenn jedem zweiten Deutschen die Urteile zu mild erscheinen, bedeutet dies wohl, dass die andere Hälfte die Urteile für hart genug hält.

Die Alarmglocken schrillen jedoch an anderer Stelle: Was ist mit den Opfern von Gewalt? Was ist mit Anwälten, deren Arbeit vor Gericht von Deals einfach mal kassiert wird? Was ist eigentlich mit den Polizisten, die ihre Köpfe hinhalten müssen, wenn Gewalt eskaliert? Wie soll ein Polizist seinen Kindern erklären, dass es gut ist, ein Polizist zu sein, wenn Täter heute freikommen und im Zweifel morgen wieder zu Tätern werden?

Wir brauchen keine Rübe-ab-Mentalität. Aber wir brauchen klare Urteile. Die auch wehtun. Und einem Täter zeigen, dass das Opfer, der Staat, die Justiz und die Gesellschaft wichtiger sind als jeder Deal.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige