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Die Südumgehung nützt fast allen

Jahrhundert-Projekt

Wenn der Begriff „Jahrhundert-Projekt“ irgendwo zutrifft, dann bei Planung, Verteidigung und Bau der Südumgehung Hameln. Wohl die meisten Einwohner haben die Hoffnung aufgegeben, dass die Trasse zwischen Rohrsen, Afferde und Fort Luise Realität wird, dass keiner mehr den Planern Steine in den Weg legt.

veröffentlicht am 03.09.2018 um 13:14 Uhr

Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Die Mitarbeiter der Behörden sind jedoch nicht untätig, sie arbeiten seit drei Jahren die Punkte ab, die ihnen die obersten Verwaltungsrichter ins Aufgabenbuch geschrieben haben. Natürlich lässt sich kritisieren, dass dies schon wieder reichlich lange dauert. Man kann allerdings auch flehen: „Macht es bloß in Ruhe!“ Denn was sind ein oder zwei verlorene Jahre, wenn es darum geht, die vielleicht letzte Chance für dieses Jahrhundertprojekt nicht zu vergeben. Die Naturbelange, auf die das Gericht pocht, müssen wasserdicht abgearbeitet sein, wenn die geänderte Planung vorgelegt wird und Juristen im Namen von Gegnern erneut nach Schwachpunkten suchen.

Bei der Südumgehung steht der persönlichen negativen Betroffenheit einiger Anrainer der große Vorteil für quasi alle Hamelner und viele weitere Menschen gegenüber. Mit dem Bau dieser Straße ergäben sich in der Innenstadt genau die verkehrlichen Entlastungen, die für den Schwenk von der auto- zur menschengerechten Kommune nötig sind. Zentrale Verkehrsflächen ließen sich neu aufteilen, der Fußgänger- und der Fahrradverkehr könnten derart verbessert werden, dass noch deutlich mehr Autofahrten im Zentrum entfallen als nur die über die Südumgehung. Die Deisterstraße wäre wieder lebenswert, der Ostertorwall dürfte seine einst für die Autos abgeholzten Bäume zurückbekommen …

Dass die Abgase und der Lärm per Südumgehung nachlassen, wie es die Befürworter hervorheben, ist hingegen bald zu vernachlässigen. Bei der Einweihung – frühestens 2028, 100 Jahre nach dem ersten Vorschlag –, werden wohl fast nur noch abgasfreie Vehikel unterwegs sein. Auch der Umstieg aufs Ölo-Auto war dann in Deutschland ein Jahrhundertprojekt.



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