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Starke Sieger, schwache Verlierer, Kopf-an-Kopf-Kontrahenten – und neue politische Kräfte

In dieser Wahl steckt alles drin

Ein kurzer Blick in die Warteschlange am Sonntag vor einem Wahlraum in Hameln: Dort erklärt eine Mutter ihrem kleinen Sohn, was Wahlen und Demokratie sind. Und es ist ja in der Tat so, dass man es nicht oft genug betonen kann: Als freie Frauen und Männer können wir zu freien Wahlen gehen – was für ein Glück.

veröffentlicht am 13.09.2021 um 04:00 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Wenn dann aber im echten Leben vier von zehn Wahlberechtigten nicht zur Wahl gehen, dann verschleudern sie mir nichts, dir nichts ihr Stimmrecht. Suchen wir nach Motiven von Nichtwählern, finden wir: Entweder es ist ihnen egal. Oder es interessiert sie schlicht und einfach nicht die Bohne. Oder aber sie meinen, es ändere sich ja sowieso nichts.

Dabei zeigt dieser Urnengang, dass Wahlen eben doch so manches besondere Ergebnis hervorbringen können: In der Kreisstadt Hameln hatten die meisten Politiker und Beobachter mit einer Stichwahl im Rennen um den Rathaus-Sessel des Oberbürgermeisters gerechnet – doch Amtsinhaber Claudio Griese (CDU) macht‘s dann doch mal eben im ersten Gang. Dass sich SPD-Kandidat Robert Wycislo nach einem deutlich mehr als müden Wahlkampf und dann auch noch speziellen Problemen im Endspurt mit mageren 19,6 Prozent blamiert, offenbart an dieser Stelle das personelle Dilemma der Hamelner SPD, die es ja schon bei der Kandidatensuche schwer hatte.

Dafür aber behaupten die Sozialdemokraten ihren Vorsprung im Kreistag Hameln-Pyrmont sowie im Stadtrat Hameln. In diesen beiden Fällen der politischen Kommunalwetterlage bleibt sich das thematisch eher konservativ denkende, dann aber dennoch mehrheitlich Rot wählende Publikum im Weserbergland eben auch gern mal treu. Damit setzt sich nun aber auch die Problematik fort, dass es keine wirklich klaren und deutlichen Mehrheiten in diesen beiden Räten gibt. Im Kreis Hameln-Pyrmont sowie in der Stadt Hameln wird es jeweils mindestens ein Dreierbündnis mit den entsprechenden Kompromissen und Abnutzungen geben müssen, um überhaupt irgendwie klar zu kommen. Wie teils holprig und stets fragil „irgendwie“ funktioniert, konnte man jedoch zur Genüge im Kreistag der letzten Jahre beobachten.

Ganz etwas Neues haben die Pyrmonter und die Münderaner zustande gebracht: Aus dem Stand und um das Thema „Feuerwehrhaus am Gondelteich“ hat sich die politische Gruppierung „Pyrmont intakt“ derart stark in Stellung gebracht, dass eine Ratsmehrheit ohne sie nun undenkbar ist. Und in Bad Münder hat ein Einzelbewerber den Kandidaten von der SPD, aber vor allem von der CDU gezeigt, was eine Harke ist.

Spannend wird es in 14 Tagen bei den Stichwahlen um die Bürgermeisterposten in Bad Pyrmont, Bad Münder und Emmerthal, wo die Kontrahenten – Nichtwähler, aufgepasst – nur acht Stimmen auseinanderliegen.



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