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Ansprechpartner für Hinweisgeber müssen bekannt sein

Im Zweifel für die Kinder

Nach dem Erscheinen des Artikels über Anschuldigungen gegen eine Erzieherin („Was ist in dem Kindergarten passiert“), stellen sich einige Eltern und Mitarbeiter in Kitas die Frage: Geht es um unseren? Allein der Umstand, dass der Bericht verunsichert und Erziehungsberechtigte wie Pädagogen offenbar nicht ausschließen können, dass es sich um „ihre“ Einrichtung handelt, lässt aufhorchen.

veröffentlicht am 02.05.2018 um 08:56 Uhr

Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Von einem möchte ich ausgehen: dass die Kinder in den meisten Kindertagesstätten des Landkreises Hameln-Pyrmont sehr gut untergebracht sind. Dass sie Tag für Tag auf fürsorgliche, gut ausgebildete Erzieher treffen, auf verantwortungsbewusste Einrichtungsleitungen, auf Personen eben, die die UN-Kinderrechte ernst nehmen, die alles daransetzen, sie in der Praxis zu leben. Von einem muss ich ausgehen: dass es schwarze Schafe gibt. Die nicht gut genug aus- oder weitergebildet sind, für die das Wohl der Kinder nicht an erster Stelle steht, die selbst zu viel Stress oder zu große Probleme haben, als dass sie die Bedürfnisse anderer noch wahrnehmen, die überfordert sind, die – aus welchen Gründen auch immer – Kinderrechte ignorieren.

Auch als Minderheit können sie Schaden anrichten. Sie können Kinder nachhaltig verunsichern, dafür sorgen, dass die Kinder kein Gespür mehr dafür haben, was richtig oder falsch ist, können dazu beitragen, dass aus kleinen neugierigen Menschen, die erst am Anfang stehen, misstrauische, ängstliche Erwachsene werden. Den Schaden zu verhindern, indem ein Schlaglicht auf fragwürdige Methoden geworfen wird, ist Aufgabe vieler: der Kollegen, der Vorgesetzten, der Eltern, der Träger, der Kommunen, der Aufsichtsbehörden, nein, jedes einzelnen zuständigen Mitarbeiters dort.

Damit Missstände überhaupt aufgedeckt werden können, braucht es niedrigschwellige Anlaufstellen, die zwar neutral sind, die aber in erster Linie und unerschütterlicher Konsequenz das Wohl der Kinder verfolgen. Es braucht in den Einrichtungen Prozesse, nach denen vorzugehen ist, wenn etwas oder jemand aus dem Ruder läuft und die allen geläufig sind. Für den „Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung“ gibt es das, solange die Gefährdung außerhalb der Einrichtungen zu suchen ist, also Eltern oder Verwandte in Verdacht stehen, das Kind zu misshandeln. Kommt es zu Grenzüberschreitungen innerhalb der Kitas, ist dagegen nicht immer klar, wie damit umzugehen ist.

Alle, die beobachten, dass gegen das Recht der Kinder auf gewaltfreie Erziehung verstoßen wird oder auch dass „tiefschwarze Pädagogik“ zum Tragen kommt, wie ein Kita-Anwalt es formuliert, müssen wissen, dass sie nicht nur das Recht haben, sich jemandem anzuvertrauen, sondern mindestens die moralische Pflicht. Dafür muss jeder die zuständigen Ansprechpartner kennen – das zu vermitteln, ist Aufgabe der Schule, der Träger, der Leitungen. Dafür braucht es in den Einrichtungen und unter Partnern aber auch eine Kultur des Hinschauens, des Mutes, auch die Konfrontation mit Kollegen und Vorgesetzten auszuhalten, das Rückgrat, Vorgesetzte oder externe Stellen einzuschalten. Und dann muss jeder Hinweisgeber darauf hoffen dürfen, Gehör zu finden, dass seinen Äußerungen nachgegangen und am letzten Ende dieser Informationskette seitens des zuständigen Landesjugendamtes versucht wird, aufzuklären, was geschehen ist. Das ist in diesem Fall nicht passiert. Ja, es gilt die Unschuldsvermutung, doch es gab keine Gespräche mit den ehemaligen Mitarbeitern, die die Anschuldigungen erhoben haben, sondern nur mit der Einrichtung; es wurde gar nicht versucht, zu ermitteln, indem alle Seiten gehört werden. Das ist mir zu wenig, wenn es um Kinder geht. Zwar sind deren Rechte in der UN-Konvention und im Bürgerlichen Gesetzbuch festgelegt, doch die Grenze, ab der von einem Verstoß, der Konsequenzen nach sich ziehen muss, auszugehen ist, liegt verdammt hoch.



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