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Das Zukunftsprojekt hat leider auch seine deutlichen Schwächen

Hameln 2030: Nur 13 Jahre Zeit

Thomas Thimm, stellvertretender Chefredakteur, kommentiert das Bürgerbeteiligungsprojekt Hameln 2030.

veröffentlicht am 15.06.2017 um 18:25 Uhr
aktualisiert am 22.06.2017 um 17:55 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Wie wird, nein, wie soll Hameln im Jahr 2030 aussehen? Was soll dann hier möglich sein, was nicht? Was sollen die Dinge sein, die bis dahin nicht mehr Träumerei, sondern Realität sind? Die Menschen in Hameln waren aufgerufen, sich Gedanken darüber zu machen, Ideen und Visionen für ein Hameln 2030 zu benennen und zu diskutieren – um sie dann auch der Stadt ins Stammbuch zu schreiben. Aufgerufen waren alle. Mitgemacht haben nicht alle, was ein Stück weit normal ist.

Nun sind Prognosen schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Und doch gibt es ein Ergebnis. Das ist zunächst einmal positiv. Bürgerwille als Basisdemokratie. Aber es gibt auch deutliche Schwächen bei der ganzen Sache. Und die sollten alle auch zur Kenntnis nehmen. Zum einen waren nicht alle zukunftsrelevanten Gruppen der Bevölkerung gleichmäßig vertreten: Zu viele Ältere, zu wenige Junge. Man kann die jungen Leute dieser Stadt nicht hinprügeln zu solch einer Veranstaltung, aber sie waren zahlenmäßig nun mal nicht gut vertreten.

Woran liegt das? Zum einen sicherlich daran, dass es für viele im Alter von 16 bis 25 total uncool ist, an solch einer Veranstaltung teilzunehmen. Zum anderen aber eben auch daran, dass die ganze Atmosphäre in der Stadt Hameln nicht gerade ein Leuchtturm an Jugendfreundlichkeit darstellt. Junge Leute in dieser Stadt erfahren immer wieder aufs Neue, was hier alles nicht geht, wo sich Ältere oder Alte gestört fühlen, dass sie nicht laut sein sollen, nicht feiern dürfen, bloß nicht auffallen sollen. Jugendbelange werden hier leider oft an den Rand gedrängt. Da muss man sich dann nicht wundern, wenn viele junge Leute ihre Heimatstadt Hameln zwar mögen, aber irgendwie doch als piefig empfinden. Und da ist man dann schnell uninteressiert oder weg.

Zum anderen lassen wir doch mal die Ergebnisse auf uns wirken. Die Top Ten der Rangliste dessen, was sich die Hamelner für ihre Stadt wünschen. Und siehe da: Gleich dreimal tauchen Themen rund um die Weser auf. Um das zu wissen oder wenigstens zu erahnen, hätte man nicht unbedingt anderthalb Jahre brauchen müssen. Das weiß man. Denn schließlich diskutiert man in dieser Stadt bereits seit zig Jahrzehnten um genau diese Themen. Weserpromenade, Weserstrand, Beachbar, Zugang zur Weser, Wesertreppe und, und, und – alles Schlagworte, die in schöner Regelmäßigkeit immer wieder auftauchen. Gerne übrigens auch zu Wahlkampfzeiten. Das Problem daran ist nicht, dass sie als Thema wahrgenommen werden – sondern vielmehr, dass sie trotz x-maliger Diskussionen noch immer auf dem Zettel stehen – und zwar, weil sich einfach nichts tut bei den Weser-Themen. Da wird dann immer viel geredet, aber es passiert nicht viel. Das ist leider die Erfahrung der letzten Jahrzehnte.

Jetzt soll sich etwas ändern? Glauben wir es mal. Geben wir den Machern eine Chance. Aber merke: Visionen ohne Aktionen bleiben Illusionen. Es sind nur 13 Jahre Zeit.

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