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Warum das Verhalten der Kreisverwaltung im Fall Lügde zum Problem wird

Frisierte Akten

Der Missbrauchsfall von Lügde stürzt die Kreisverwaltung Hameln-Pyrmont in eine Krise. Nur wenige Tage nach einer Pressekonferenz, bei der Landrat Bartels den Eindruck zu erwecken versuchte, im Kreishaus sei im Fall Lügde alles mit rechten Dingen zugegangen, muss der Verwaltungschef nun zurückrudern – und zugeben, dass in seiner Behörde übel geschlampt wurde.

veröffentlicht am 15.02.2019 um 18:12 Uhr

Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Als Beobachter, Journalisten wie Leser, gehen wir davon aus, dass im Jugendamt Menschen arbeiten, die Kindern helfen wollen und können. Im Fall Lügde geht es um Kinder, die zu Opfern widerlicher Krimineller wurden, und auch um ihre Familien, die mitleiden.

Schon der erste öffentliche Umgang des Landrates mit dem Missbrauchsfall war nicht so, wie man es sich gewünscht hätte. Bartels zog sich mehr oder minder auf die formal-bürokratische Formel zurück: Solange keine Fehler bewiesen sind, wurden auch keine gemacht. Bartels funktionierte nur als Behördenchef. Aber er ist eben nicht nur Landrat der Kreis-Mitarbeiter. Er ist Landrat aller Hameln-Pyrmonter – übrigens auch des Bad Pyrmonter Pflegekindes des Hauptverdächtigen im Fall Lügde. Als Landrat aller hat Bartels komplett daneben gelegen. Es hätte in dieser Situation einen Landrat gebraucht, der Empathie zeigt; der zugleich eine aktive Fehlersuche verspricht – und dadurch Stärke zeigt.

Wir alle müssen die Ermittlungsergebnisse von Staatsanwaltschaft und Polizei abwarten. Dennoch darf man schon jetzt feststellen: Irgendetwas ist verdammt schief gelaufen im Fall Lügde, irgendetwas haben auch die Behörden falsch gemacht. Sonst hätte das alles nicht so passieren können, wie es leider passiert ist. Nun ist klar: Im Jugendamt Hameln-Pyrmont wurden Akten frisiert. Das ist der GAU. Für das Jugendamt. Für die Kreisverwaltung. Für Landrat Bartels. Vor allem aber für die Kinder. Als Zeitung haben wir viele Fragen an den Landrat: Welche Akten wurden frisiert? Und wie viele? Über welchen Zeitraum? Wann wurde frisiert – und für welchen Zeitpunkt? Wer hat die Aktenfälschung entdeckt?

Alles Fragen ohne Antworten … Denn es gehört zur Unprofessionalität des Kreishauses, dass Nachfragen unerwünscht sind: Mit dem Versenden der Pressemitteilung hieß es am Mittag, man möge von weiteren Anfragen absehen. So darf man nicht mit der Öffentlichkeit umgehen. Und schon gar nicht in einem solch brisanten Fall von Kindesmissbrauch.



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