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Kreishaus hat die Pflicht vergessen

Fataler Tiefschlaf in Holzminden

Es scheint so, als hätte sich das gesamte Holzmindener Kreishaus in den langersehnten Winterurlaub verabschiedet. „Wir sind dann mal weg – ab in die wohlverdienten Ferien, das Jahr war schließlich stressig genug.“ Eine Haltung, die man aus Sicht der Behörde vielleicht haben kann – aus Sicht der Holzmindener Bürger kann die Nicht-Erreichbarkeit von amtlichen Zuständigkeiten eigentlich nur in zweierlei Weise gedeutet werden.

veröffentlicht am 29.12.2020 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 29.12.2020 um 19:20 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Ressortleiter zur Autorenseite

Die erste: Dieser Fall von Tiefschlaf ist eine Lachnummer. „Typisch, Beamte“, könnte man meinen. Den Betrieb vor Weihnachten eingestellt und ganz in Ruhe das Jahr ausklingen lassen, bevor es dann irgendwann im Januar schon wieder stressig genug wird. Schönen Urlaub! Aber das Typisch-Beamte-Klischee wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Arbeitsauffassung sämtlicher Kreishausmitarbeiter gerecht. Und wäre in Summe den vielen Beschäftigten gegenüber zu allgemein betrachtet und damit unfair.

In der zweiten Betrachtungsweise aber wird die vermeintliche Lachnummer zur Farce, zu einem regelrechten Ding der Unmöglichkeit. Denn: Die Welt, die Republik, das Weserbergland und auch der Landkreis Holzminden befinden sich immer noch in einer Ausnahmesituation. Das Coronavirus beherrscht weiterhin den Alltag der Menschen, schränkt sie in erheblichem Maße ein – und ein Ende des derzeitigen Lockdowns am 10. Januar ist gewiss nicht sicher. In dieser Situation dienen – sowohl auf Kreis-, Landes- oder Bundesebene – vor allem Zahlen als Grundlage weitgehender Entscheidungen: die Summe der Neuinfektionen, Sieben-Tagesinzidenzen, Todesfälle.

Der Landkreis Holzminden macht hierbei – bewusst oder nicht – seit Tagen die Schotten dicht und verwehrt damit seinen Bürgern den Zugang zu wichtigen und nötigen Informationen. Die Bürger haben ein Recht auf diese Zahlen – weil sie in vielerlei Hinsicht über ihr Wohl und Wehe entscheiden.

Erst nach mehreren Nachfragen auf unterschiedlichen Wegen bekommt die Zeitung nun eine nicht mehr als befriedigende Antwort aus der Pressestelle. Was bitte aber erfährt der Holzmindener, der auf Eigeninitiative das Bürgertelefon kontaktiert, weil er Corona-Informationen haben möchte – aber dort leider nur auf eine Anrufmaschine trifft, die sinnfreie Sätze von sich gibt? Rein gar nichts!

Es ist grundsätzlich fraglich, ob es sein darf, dass Kreis- und Rathäuser – in Holzminden wie auch in Hameln-Pyrmont – vor dem Hintergrund der Kontaktbeschränkungen ihre Arbeit weitgehend oder gar gänzlich einstellen und „Betriebsferien“ machen – sei es im Straßenverkehrsamt oder bei der Meldebehörde. Behörden sind schließlich, keine Privatunternehmen, sondern staatliche Einrichtungen, die im Dienste ihrer Bürger stehen.

Und doch ist es im Kreis Holzminden etwas spezielles: Die Menschen sind auf die aktuellen Informationen zum Coronavirus angewiesen. Und der Landkreis ist hier seit Tagen seiner Informationspflicht nicht nachgekommen. Das lässt sich durch nichts erklären.



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