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Wie man einem Landkreis seine Moral aufzwingt

Euer Bauch gehört nicht euch

Es ist ein Skandal! Wir leben zukünftig in einem Landkreis, wo Abtreibungen tabu sind. Das einzige Klinikum innerhalb der Kreisgrenzen bestimmt: Schwangerschaftsabbrüche aus sozialer Not führen wir nicht durch. Basta!

veröffentlicht am 06.11.2016 um 17:36 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 08:11 Uhr

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Reporterin zur Autorenseite

Wie konnte es geschehen, dass unsere ehemals drei Kliniken in die Trägerschaft eines Konzerns übergeben wurden, der unserer Bevölkerung sein eigenes, rückständiges Weltbild aufdrückt? Kostengründe waren offensichtlich bedeutsamer, als darauf zu achten, ob das Selbstbestimmungsrecht von Frauen angemessen bewahrt bleibt. Der lange, harte Kampf um die Reform des Abtreibungs-Paragrafen 218, nach der straffreie Abtreibungen erlaubt sind – für das Agaplesion und die Landkreis-Politik hat er keine Bedeutung.

Ob eine Frau mitten in der Ausbildung steckt, ob das Kind aus einer kurzen Affäre stammt, ob eine Mutter noch ein siebtes Kind bekommt – die „christliche“ Ethik des Agaplesions setzt sich selbstherrlich über alle nicht medizinisch angebrachte Abtreibungsgründe hinweg. Und das, obwohl der Konzern eng verbunden ist mit evangelischen Landeskirchen, die explizit das Selbstbestimmungsrecht der Frau auch in Hinblick auf Abtreibungen unterstützen.

Die betroffenen Frauen können ja „nach drüben“ gehen, in die benachbarten Landkreise und Bundesländer mit Kliniken in kommunaler und privater Hand. Hauptsache Agaplesion bewahrt sich sein rückständiges Weltbild. Auf unsere Kosten.



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