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Es sind noch Fragen offen

Das Versagen im Hameln-Pyrmonter Jugendamt im Zusammenhang mit dem Kindesmissbrauchsfall Lügde ist ein fürchterlich unangenehmes Thema, um das sich viele am liebsten drücken würden. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – das war die Krux, die den Skandal im Amt und auch den Fall Lügde erst möglich machten. Und nun?

veröffentlicht am 11.09.2020 um 16:29 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Es ist viel passiert, zweifelsohne. Doch noch immer ist nicht das geschehen, was Politik und Verwaltung in den letzten anderthalb Jahren immer wieder beschworen – und versprochen – haben: eine schonungslose, transparente und damit öffentliche Aufarbeitung des Skandals. Mitarbeiter des Jugendamtes lassen ihre Namen in den Akten schwärzen, verweigern vor dem Untersuchungsausschuss die Aussage und wollen auch nicht mit der Sonderermittlerin sprechen, die festgestellt hat, dass es im Jugendamt eher nach Sodom und Gomorra aussieht als nach einer deutschen Amtsstube. Und die zuständige Kreisrätin Sabine Meißner sowie der neue Landrat Dirk Adomat schweigen zu alledem. Echte Aufklärung sieht anders aus. Ganz anders.

Hier aber herrscht offenbar die Hoffnung, dass das Thema irgendwie verschwinden wird, wenn man nicht viel oder am besten gar nicht mehr darüber redet. Dieses ganze öffentliche Theater ist auch dem SPD-Landtagsabgeordneten Ulrich Watermann suspekt – er will darin eine Skandalisierung durch – freilich andere – Politiker und die Medien erkennen. Nein, Herr Watermann, die Medien skandalisieren nicht. Der Fall Lügde und die Fehler im Jugendamt sind ganz von alleine ein Skandal. Und bei Skandalen dieses Ausmaßes gibt es nun mal kein Ablaufdatum – man kann auch gar nicht tief genug graben.

Wir erinnern uns: Es geht hier um Schicksale von Kindern, von kleinen Menschen, denen unsagbar Schlimmes angetan wurde. Da sollten weder die Kreishausspitze noch die Politik so tun, es sei jetzt schon alles erledigt. Es sind noch Fragen offen – und die Antworten müssen auf den Tisch. Und zwar öffentlich.



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