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Das Krisenmanagement des Landrates lässt zu wünschen übrig

Es braucht einen Macher

Die erste Kalenderwoche des neuen Jahres war eine symptomatische Zeit für das fehlende Krisenmanagement von Landrat Dirk Adomat. Hatte man die Mitarbeiter des Kreishauses in der Weihnachtszeit noch in die seit Jahren übliche Urlaubspause geschickt, anstatt möglicherweise den durch den monatelangen Corona-Dauerstress teilweise auf dem Zahnfleisch gehenden Kollegen im Gesundheitsamt zu helfen, zeigte der Landrat in dieser Woche, was ihm wirklich wichtig ist.

veröffentlicht am 07.01.2021 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 07.01.2021 um 19:50 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Während die Bevölkerung zum Impfstart unzählige Fragen hat und eine echte Aufklärungskampagne vermisst, lässt sich der Landrat von der eigenen Pressestelle mit der ersten Impfpatientin ablichten, als ob es sich um einen runden Geburtstag handeln würde. Sicher, der Landrat soll den Impfstart begleiten – aber in einer Zeit der Kontaktvermeidung vielleicht vorbildhaft und sinnigerweise in einer Videobotschaft ohne persönlichen Kontakt. Hätte auch gereicht.

Noch schlimmer ist allerdings, was dafür im Adomatschen Krisenmanagement fehlt: Eine echte Wahrnehmung der Interessen der Menschen mit ihren Fragen, Unsicherheiten und Informationsbedürfnissen. Anstatt profan für Pressestellen-Fotos zu posieren, hätte man erwarten dürfen, dass der Landrat professionell als Aufklärer und erster Informant in der Krise ein Wir-Gefühl für die Bürger schafft. Das ist in den letzten zehn Monaten leider immer wieder verpasst worden.

Erinnern wir uns an die traurige Spitze der Nichtbeantwortung von drängenden Corona-Fragen mit der ebenso provokanten wie verheerenden Gegenfrage aus dem Kreishaus, wer das warum alles wissen wolle. Erinnern wir uns an das tagelange Abtauchen wegen eines Geburtstagsurlaubes mitten in der Krise. Erinnern wir uns an das Schulbus-Debakel, das der Landkreis – ebenso wie die Öffis und die Schulen – angeblich nicht habe vorhersehen können, um dann ein wochenlanges Schwarze-Peter-Spiel zu spielen, ohne eine sofortige Lösung parat zu haben.

Und nun die traurige Farce, die Bevölkerung zum Impfstart mit ihren Fragen weitestgehend alleine zu lassen. Nein, ein Landrat kann nicht immer und sofort alles wissen und lösen. Aber es ist sein Job, sich schnell und unbürokratisch um die Probleme zu kümmern. Denn die Menschen im Landkreis haben ein Recht darauf, dass der Landrat für sie da ist, ihnen zuhört, sich um ihre Sorgen kümmert und ihnen ein gutes Gefühl gibt, dass sie in der Krise nicht alleine sind. Die bisherigen Chancen, dieses so wichtige Wir-Gefühl zu schaffen, hat Adomat leider verpasst.

Eine echte Aufklärungskampagne, die die Menschen mitnimmt und ihnen wenigstens etwas Sicherheit gibt, lebt von ihren vorausschauenden Inhalten, von dem Gespür, was die Menschen da draußen in einer Zeit der Ungewissheiten umtreibt und welche Fragen sie schnell und unbedingt beantwortet wissen wollen. Dafür braucht es keinen bloßen Verwalter, sondern einen kreativen Macher. Von Letzterem kann hier allerdings keine Rede sein. Das war schwach, Herr Adomat. Zur Erinnerung: Helmut Schmidt hat einst gesagt: „In der Krise beweist sich der Charakter.“



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