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Kritik trifft nicht zu

Der Bote ist schuld?

Manchmal müssen Journalisten Kritik demütig einstecken: Zahl verdreht, falsch zitiert, Tippfehler übersehen, Thema verschlafen – alles schon vorgekommen, alles zu Recht bemängelt. Aber: Wo lag nun in diesem Fall der journalistische Fehler?

veröffentlicht am 19.09.2019 um 17:06 Uhr
aktualisiert am 20.09.2019 um 11:16 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Zu: Presseschelte im Rat 

In einer öffentlichen Sitzung verärgert der missverständliche Ausspruch einer Lokalpolitikerin einige Zuschauer. Was nun tun als Journalist? Den Vorfall verschweigen? Den Vorfall nicht, aber dann doch wenigstens den fraglichen Satz? Lieber über „das Positive“ berichten, wie es sich Politiker und Verwaltungen aller Ebenen in solchen Momenten oft wünschen? Nach dem Anspruch kritischer Journalisten, die ihre Kontrollfunktion in einer Demokratie annehmen, wäre aber genau das ein großer journalistischer Fehler – auch in diesem kleinen Fall. Doch so klein ist der Fall im Hamelner Maßstab nun auch nicht mehr: Viel Redezeit investierte die CDU/DU-Fraktionsvorsitzende, um im höchsten politischen Gremium der Stadt über diese Zeitung zu klagen.

Dabei hatte die Dewezet Birgit Albrechts Ausspruch nicht nur zitiert, sondern in Relation gesetzt, eingeordnet. Dass der Lokalpolitikerin nun ihr unglücklicher Ausspruch – ohne journalistische Einordnung – im Alltag wiederbegegnet, trifft sie. Verständlicherweise, denn ihre Verdienste für die Integration sind unumstritten. Die Idee, nun dem Boten des eigenen verunglückten Zitats in einer Ratssitzung – ohne Chance auf Widerrede – in dieser Form die Leviten zu lesen, ist jedoch neu. Wahrscheinlich hätten wir sogar Verständnis – wenn wir denn nur einen journalistischen Fehler fänden.



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