Prozess gegen Unternehmerin

Ex-CEO von Block nennt Cyber-Cupula-Aufträge „extrem unschön“

Christina Block verlässt mit Anwalt Ingo Bott das Landgericht Hamburg.

Als Stephan von Bülow den Saal 237 im Hamburger Landgericht betritt, wirkt er gefasst – hanseatisch knapp im Gruß, kontrolliert im Ton. 25 Jahre lang steuerte der 68-Jährige als Vorsitzender der Geschäftsführung die Geschicke der Block-Gruppe. Nun sitzt er als Zeuge im Strafprozess gegen Christina Block, Tochter seines ehemaligen Hauptgesellschafters Eugen Block. Ihr wird vorgeworfen, das israelische Sicherheitsunternehmen Cyber Cupula beauftragt zu haben, ihre Kinder gewaltsam von Dänemark nach Hamburg zu bringen. Sie bestreitet die Vorwürfe.

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Am 20. Prozesstag will das Gericht klären, wie Cyber Cupula Zugang zur Block-Gruppe bekam und wer davon wusste. Konkret geht es um Fragen wie: Wer ließ die Angestellten der Firma kostenlos im Hotel Elysée übernachten? Wer beauftragte Cyber Cupula mit angeblichen Leistungen für Cybersecurity im Hotel – und möglicherweise mit einer Entführung?Wer bezahlte die Rechnungen? Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: unter anderem Christina Block.

Von Bülow: Keinen Grund zu wechseln

Ex-CEO von Bülow macht klar: Die Familie hält die Anteile, steuert aber nicht das Tagesgeschäft. Auch Christina Block, Aufsichtsrätin und Repräsentantin des Hotels, habe keine operative Weisungsbefugnis gehabt und habe Aufträge an Firmen wie Cyber Cupula nicht vergeben dürfen. Sie sei auch nicht für Cyber Security im Unternehmen verantwortlich gewesen. Block habe ihm die israelische Firma 2023 zwar „ans Herz gelegt“, doch: „Ich hatte keine Veranlassung zu wechseln.“

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Lächeln, reden, weinen: Der Vier-Tage-Auftritt von Stephan Hensel

Mehrere Tage hat Stephan Hensel die Fragen des Hamburger Landgerichtes beantwortet. Im Prozess gegen seine Ex-Frau Christina Block gilt er als wichtiger Zeuge. Wer ist der Unternehmer – und was ist seine Botschaft?

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt legt ihm Mail-Fragmente vor – Warnungen von Cyber Cupula vor angeblichen Hackerangriffen und Andeutungen eines privaten Konflikts, der „auch gegen das Unternehmen“ gerichtet sein könnte. Dabei soll es um angebliche Gefahren durch Blocks Ex-Mann Stephan Hensel gegangen sein, der Angriffe auf das Unternehmen geplant haben könnte. Von Bülow sagt: „Ich hatte das Gefühl, dass mit Ängsten gespielt wurde.“ Die Nachrichten habe er nicht ernst genommen.

Er führte 25 Jahre lang als CEO die Geschicke der Block-Gruppe: Stephan von Bülow, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsführung.

Mehrere Rechnungen seien dem Hotel Elysée durch „Israelis“ entstanden, über 12.000, 130.000 und 48.000 Euro. Kosten für Gäste, die auf Wunsch von Christina Block im Grand Elysée untergebracht wurden – ohne Meldezettel, ohne reguläre Registrierung. Für den langjährigen CEO ein Tabubruch: „Extrem unschön.“

Block-Gruppe: Was wussten CEO und CFO?

Michael Kafka, CFO der Block-Gruppe, bestätigt, dass Christina Block die Firma ins Spiel gebracht hat. Auch der Finanzvorstand ist als Zeuge vor Gericht. Er erklärt, die Hinweise zunächst ernst genommen zu haben, ein Treffen mit Cyber Cupula und dem IT-Chef der Block-Gruppe vereinbart zu haben. Das sei passiert, nachdem Warnhinweise eingegangen seien – im Zusammenhang mit einem „Familienthema Dänemark“ und der Sorge, dass ein privater Konflikt ins Unternehmensnetz wirken könnte. Wer angreifen wolle? „Kann ich nicht sagen.“ Ob eine konkrete Gefahr bestand? „Hat sich nicht bestätigt.“ Ob Cyber Cupula beauftragt wurde? „Nein. Es ging nur um Informationsgespräche.“ Bis zum Schluss sei für ihn unklar, was die Firma eigentlich konkret gemacht habe.

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Christina Block betont, dass Cyber Cupula auf eigene Faust handelte und sie die Firma nur für Cybersecurity ins Hotel Elysée geholt habe. Die Anklage sieht den Auftritt von Cyber Cupula als ersten Schritt zu der mutmaßlichen Kindesentziehung, die in der Silvesternacht 2023 stattfand. Im Prozess wird deutlich, wie sehr private Familienkonflikte in die Abläufe der Block-Gruppe hineingespielt haben könnten.

Im Fall von Kafka und von Bülow zeigt der Prozess: Kontrolle hat Grenzen. Die beiden Manager, sonst Herren über Zahlen, Hotels, Finanzen und IT in ihrem Unternehmen, mussten nun erklären, warum ihnen offenbar manches entgangen sein könnte.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann sollen die beiden Kinder von Christina Block aussagen.