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Lokalisierung von Erdstößen

Wie Internetnutzer die Erdbebenüberwachung verbessern

Potsdam (dpa) - Zugriffsdaten und Nachrichten von Internetnutzern helfen bei der Lokalisierung von Erdbeben. Kombinieren Experten diese Daten mit den Aufzeichnungen seismischer Stationen, können sie im Schnitt über eine Minute schneller mitteilen, wo ein Beben in etwa stattgefunden hat.

veröffentlicht am 03.04.2019 um 20:59 Uhr
aktualisiert am 07.04.2019 um 18:50 Uhr

Erdbeben werden üblicherweise von seismischen Stationen erfasst, die es überall auf der Welt gibt. Foto: Oliver Berg

Das berichtet ein internationales Forscherteam im Fachmagazin «Science Advances». Behörden und die Öffentlichkeit müssten schnellstmöglich wissen, wo die Erde bebte, um effektiv darauf reagieren zu können - etwa um Hilfsmaßnahmen zu organisieren.

Erdbeben werden üblicherweise von seismischen Stationen erfasst, die es überall auf der Welt gibt. Das Deutsche GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam betreibt zum Beispiel einen Erdbeben-Monitoring-Dienst, der auf Daten von hundert eigenen seismischen Stationen des Netzwerks Geofon und von etwa 800 weiteren Stationen beruht. «Für die zuverlässige Lokalisierung eines Bebens benötigt man die Daten von mehreren Stationen», erläutert Joachim Saul vom GFZ, der mit zwei weiteren GFZ-Forschern an der Studie beteiligt war. «Man muss ausschließen, dass es sich bei einem Signal nicht etwa nur um eine lokale Erschütterung gehandelt hat.» Normalerweise dauert es etwa drei bis acht Minuten, bis aus den gelieferten Daten errechnet ist, wo ein Erdbeben in welcher Stärke stattgefunden hat.

Sind sich die Fachleute sicher, dass es ein Erbeben gegeben hat, veröffentlichen sie ihre Informationen und leiten sie auch an das European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) weiter. Dieses verbreitet die Informationen über die eigenen Webseite, eine App und via Twitter.

Die Forscher unter Leitung von Robert Steed vom EMSC wollten nun prüfen, ob sich die Lokalisierung eines Bebens beschleunigen lässt, wenn man Daten aus dem Internet heranzieht. Sie nutzten dafür die Zugriffsdaten auf die EMSC-Webseite und dessen Erdbeben-App und durchforsteten zudem den Kurznachrichtendienst Twitter nach Tweets, die den Begriff Erdbeben - in 59 Sprachen - enthielten. Denn nach einem Beben greifen viele Menschen heute zum Handy, um in den sozialen Medien von ihrem Erlebten zu berichten und ihre Erfahrungen zu teilen.

Insgesamt analysierten die Forscher Daten zu mehr als 1500 Erdbeben aus dem Zeitraum zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 31. Dezember 2017. Die Auswertung ergab, dass sie bei der Lokalisierung mit Hilfe der Internetdaten durchschnittlich mehr als eine Minute schneller waren, als wenn sie nur die Daten der seismischen Stationen genutzt hätten.

«Die Ergebnisse sind spannend und auch für Geofon relevant, da sie die Reaktion von Menschen, die ein Erdbeben selbst verspürt haben, unmittelbar mit einbezieht», sagt Joachim Saul vom GFZ. «Wir stehen aber erst am Anfang einer Entwicklung. Besonders die genaue Bestimmung der Erdbebenstärke bleibt eine Herausforderung.»



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