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Der verschollene Milliardär:

Von Tengelmanns Karl-Erivan Haub fehlt jede Spur

Zermatt/Mülheim/Ruhr (dpa) - Vor einem Jahr ist einer der reichsten Deutschen spurlos verschwunden: Ex-Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub kam am 7. April 2018 von einer Skitour in den Walliser Alpen nicht zurück.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 10:17 Uhr
aktualisiert am 05.04.2019 um 17:43 Uhr

Gedenken an den in den Alpen verschollenen Karl-Erivan Haub im RheinEnergie Stadion in Köln. Foto: Rolf Vennenbernd

Autor:

Christiane Oelrich und Erich Reimann, dpa

Trotz einer großangelegten Suchaktion fehlt bis heute jede Spur von dem Unternehmer, dem zusammen mit seinen Brüdern unter anderem der Textildiscounter Kik und die Baumarktkette Obi gehören. Und es ist fraglich, ob sein Leichnam je gefunden wird.

«Man kann die Hoffnung nie aufgeben, aber es müsste ein Zufall zur Hilfe kommen. Das ist sonst wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen», urteilt der Rettungschef von Zermatt, Anjan Truffer, ein Jahr nach dem Verschwinden.

Haub war ein durchtrainierter Sportler. Er wollte sich in Zermatt auf einen der anspruchsvollsten Tourenski-Wettbewerbe der Alpen vorbereiten. Die «Patrouille des Glaciers» führt als Wettlauf über 53 Kilometer von Zermatt aus durch die Walliser Alpen.

Entgegen allen Empfehlungen der Bergführer war der Unternehmer am Klein Matterhorn bei Zermatt allein unterwegs. Gesehen wurde er zuletzt an der Bergstation der Gondelbahn auf mehr als 3800 Metern Höhe. Sein Verschwinden fiel erst auf, als er am Abend nicht ins Hotel zurückkehrte.

Aktiv gesucht wird inzwischen nicht mehr nach der Leiche von Karl-Erivan Haub. «Sollte er in eine Gletscherspalte gestürzt sein, ist die Chance, ihn zu finden, sehr gering, das muss man realistisch sehen», sagt Truffer.

«Da oben gibt es tausende Gletscherspalten. Man kann 20, 30 Meter tief in eine Spalte stürzen, manchmal mehr. Die einstürzende Schneebrücke, die die Gletscherspalte bedeckte, kann mehrere Tonnen wiegen und stürzt oft auf die Person nieder.»

Für tot erklärt wurde der Unternehmer aber noch nicht. Ein entsprechendes Verfahren könnte von der Familie frühestens ein Jahr nach dem Verschwinden eingeleitet werden. Doch wolle niemand die Angehörigen drängen, dies in der emotionalen Zeit unmittelbar nach dem Jahrestag zu tun, ist zu hören. Klar ist ohnehin, dass die Anteile am Unternehmen an die beiden Kinder von Karl-Erivan Haub gehen. So will es die Satzung der Familie.

Haubs Verschwinden war nicht nur für seine Familie ein gravierender Einschnitt, sondern auch für das Unternehmen Tengelmann. Denn rund 15 Jahre lang hatte Karl-Erivan Haub dem Handelsimperium seinen Stempel aufgedrückt. In die Lücke, die er hinterließ, sprang sein jüngerer Bruder Christian Haub. Der Unternehmer lebte bislang mit seiner Familie in den USA, will aber noch in diesem Jahr seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegen.

Schon eineinhalb Wochen nach dem Verschwinden seines Bruders übernahm Christian Haub die alleinige Geschäftsführung des Familienimperiums. Zuvor hatte er sich um die Verwaltung des Familienvermögens und um die wohltätigen Aktivitäten der Familie gekümmert. Außerdem leitete er die familieneigene Wagniskapitalgesellschaft Emil Capital Partners.

Nach seinem Amtsantritt bemühte er sich zunächst, die Zukunftsängste im Unternehmen zu zerstreuen. «Der Verlust unseres Bruders ist für unsere Familie eine Tragödie. Aber sie gefährdet nicht den Weiterbestand unseres Familienunternehmens», betonte er damals. Die Unternehmensgruppe Tengelmann sei nicht zuletzt dank seines Bruders «grundsolide und zukunftsfähig aufgestellt».

Inzwischen hat Christian Haub das Ruder fest in der Hand und setzt die von seinem Bruder mit dem Verkauf des Lebensmittelhandels eingeleitete Umstrukturierung des Familienimperiums konsequent fort. Dabei zögert er nicht, alte Zöpfe abzuschneiden.

So kündigte er im Januar eine drastische Verkleinerung der Konzern-Holding an. Dabei sollen die meisten der bisher 250 Stellen wegfallen. Angesichts der Firmenverkäufe der vergangenen Jahre - etwa der Abgabe der Kaiser's Tengelmann-Supermärkte - sei die bisherige Holding überdimensioniert. Die Verkleinerung der Konzernzentrale ist auch symbolisch eine Zäsur. Denn damit verbunden ist die Aufgabe der traditionsreichen Firmenzentrale in Mülheim an der Ruhr.

Doch Christian Haub fühlt sich ohnehin mehr der Zukunft verpflichtet als der Vergangenheit - und ist sich sicher, damit auch den Wünschen seines verschwundenen Bruders zu entsprechen. Das gemeinsame Ziel sei es stets gewesen, das Familienunternehmen in einem guten Zustand an die nächste Generation zu übergeben, sagte er, als er die Nachfolge von Karl-Erivan Haub antrat. «An diesem Ziel halte ich fest, und ich werde alles daransetzen, es zu erreichen.». Zu vererben gibt es schließlich Einiges. Die Unternehmerdynastie gehört nach Schätzungen des «Manager Magazins» mit einem Vermögen von rund fünf Milliarden Euro nach wie vor zu den reichsten deutschen Familien.



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