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Mordprozess um im Fluss versenkte 19-Jährige kurz vor dem Ende

Sie sollen eine 19-Jährige nackt an eine Waschbetonplatte gebunden und in den Fluss geworfen haben. Zwei Männer und eine Frau müssen sich vor dem Landgericht Verden verantworten. Bald fällt das Urteil.

veröffentlicht am 15.10.2021 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 18.10.2021 um 14:59 Uhr

Von Helen Hoffmann, dpa

Nach dem gewaltsamen Tod einer gefesselten 19-Jährigen in der Weser nähert sich der Mordprozess gegen drei Angeklagte dem Ende. Am Montag (18.10.) werden vor dem Landgericht Verden die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung erwartet. Wenige Tage später sollen die Urteile verkündet werden. Wegen der Corona-Pandemie und aus organisatorischen Gründen ist die Verhandlung nicht in den Räumen des Landgerichts, sondern in der Stadthalle in Verden. (Az 1 Ks 113/20)

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Männern im Alter von 41 und 54 Jahren sowie der 40-jährigen Frau Mord vor. Laut Anklage sollen die drei Deutschen die wehrlose, psychisch kranke 19-Jährige grausam und aus niedrigen Beweggründen getötet haben, um andere Straftaten zu verdecken. Die Frau wurde im April 2020 nackt an einer Waschbetonplatte festgebunden in die Weser geworfen. Ihre Leiche wurde knapp drei Wochen nach der Tat von einem Binnenschiffer im Bereich des Schleusenkanals in der Gemeinde Balge im niedersächsischen Kreis Nienburg entdeckt.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wollten die Männer die Frau zunächst als Prostituierte für sich arbeiten lassen. Demnach hofften beide auf sexuelle und finanzielle Vorteile. Als sie merkten, dass die Frau wegen ihrer psychischen Erkrankung nicht mehr in der Lage war, als Prostituierte zu arbeiten, sollen sie die 19-Jährige in das Wohnhaus des heute 41-Jährigen und später in die Garage auf dem Grundstück gebracht haben. Die angeklagte Frau, die damals Partnerin des heute 41-Jährigen war, soll eifersüchtig auf die jüngere Frau gewesen sein.

Laut Anklage wurde die 19-Jährige, die an einer paranoiden Schizophrenie erkrankt war, in der Garage geschlagen, geknebelt und gewürgt. Obwohl das Trio gesehen habe, in welch dramatischer Lage die kranke 19-Jährige gewesen sei, habe keiner Hilfe geholt, sagte die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklage. Der Tötungsplan entstand demnach, als den Angeklagten klar wurde, dass sie mit der Frau kein Geld verdienen können. Sie sollen vereinbart haben, die Gefangene in die Weser zu werfen.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll das Trio die Frau entkleidet und mit einem Stromkabel so auf eine Waschbetonplatte festgebunden haben, dass jede Bewegung Druck auf ihren Hals ausübte. Ob alle drei oder nur die Männer am 9. April 2020 zur Weserschleuse in Balge fuhren, wo die Frau in den Fluss geworfen wurde, konnte die Staatsanwaltschaft nicht klären. Es könne auch sein, dass die 39-Jährige in Kenntnis des Tötungsvorhabens auf dem Grundstück geblieben sei und Spuren beseitigt habe, sagte die Staatsanwältin zum Prozessauftakt im Februar.

Seitdem hat die Kammer zahlreiche Sachverständige und Zeugen gehört, um aufzuklären, was im April 2020 tatsächlich geschah und wie die 19-Jährige starb. Ertrank sie oder war sie schon tot, als sie in den Fluss geworfen wurde? Dies war eine der vielen Fragen. Dass die Leiche lange im Wasser lag, erschwerte die Ermittlungen zur genauen Todesursache. Die drei Angeklagten äußerten sich nicht zu den Vorwürfen. Neben Mord wirft die Staatsanwaltschaft den Männern Zwangsprostitution, der angeklagten Frau Beihilfe zur Zwangsprostitution vor.



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