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Corona-Chaos am Ballermann

Mallorca: Nach Partys herrscht nun strenge Maskenpflicht

Auf Mallorca geht plötzlich die große Sorge um. Schuld sind Touristen, die wieder Party machen - ohne sich um die Corona-Regeln zu kümmern. Eine verschärfte Maskenpflicht soll sie nun daran hindern.

veröffentlicht am 13.07.2020 um 15:13 Uhr
aktualisiert am 13.07.2020 um 17:40 Uhr

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Zum ersten Mal nach dem Corona-Lockdown vor rund vier Monaten haben Hunderte Touristen am Ballermann wieder groß Party gemacht - und damit auf Mallorca große Sorgen ausgelöst. Denn kaum einer der Feiernden beachtete am Wochenende an der Playa de Palma die derzeit in ganz Spanien geltenden Schutzvorschriften.

Angetrunkene Urlauber umarmten nach Medienberichten Straßenhändler und flirteten hemmungslos mit Fremden. «Chaos», titelte am Sonntag die Regionalzeitung «Última Hora». Die Lage sei «am Samstag völlig außer Kontrolle geraten».

Bußgelder bis zu 600.000 Euro

Dabei hatte die Regionalregierung in Palma erst am Freitag (10. Juli), nach ersten illegalen, aber noch deutlich kleineren Partys in Bars und Parks, für Verstöße beim Feiern einen Strafenkatalog mit Bußgeldern von bis zu 600.000 Euro beschlossen - und auch verstärkte Kontrollen angekündigt. Am Ballermann habe sich die Polizei aber vorerst kaum blicken lassen, stellte die «Mallorca Zeitung» fest.

Die rund 40.000 Bewohner von S'Arenal östlich der Hauptstadt Palma, wo der Ballermann liegt, schwanken derweil zwischen Angst und Empörung. «Natürlich habe ich Bammel. Die Deutschen leben einfach in einer anderen Welt», sagte eine Nachbarin der Playa der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. «Eine Schande», klagte «Última Hora»-Leser José Luis in einem der unzähligen, vorwiegend sehr kritischen Online-Kommentare. Ein anderer Nutzer schrieb, die Feiernden würden von «der Mafia der Tourismus-Lobby beschützt».

Auf einem Video, das die «Mallorca Zeitung» nach eigenen Angaben am Freitagabend an der berühmt-berüchtigten «Bierstraße» drehte, ist zu sehen, wie die Menschen im dichten Gedränge feiern, trinken und tanzen - «als gäb's kein Corona», so die «MZ». Praktisch niemand trägt dabei Maske, obwohl der von der spanischen Regierung für die Zeit der «neuen Normalität» vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten wurde. Die wenigen Menschen, die Maske trugen, seien zum Teil laut ausgelacht worden, berichteten verschiedene Medien.

Hemmungslose Party-Urlauber

Besorgniserregende Szenen gab es unterdessen nicht nur am Ballermann, sondern auch in anderen Teilen der Insel. So zum Beispiel laut Medien im besonders bei Briten beliebten Magaluf westlich der Inselhauptstadt, wo hemmungslose Party-Urlauber auf geparkten Autos getanzt und dabei hohe Sachschäden verursacht hätten. Hier habe es einige Festnahmen gegeben, so «Última Hora».

Die Bilder schockierten die Insel. Die Szenen zeigten, so die «Mallorca Zeitung», «wie groß die Gefahr einer zweiten Corona-Welle auf Mallorca sein könnte». Solch große Ansammlungen feiernder und trinkender Menschen hatte man auf den Balearen seit der Öffnung der Grenzen für ausländische Touristen Mitte Juni bisher nicht gesehen. Das Fazit der «Diario de Mallorca»: «Das Coronavirus hat den Sauftourismus nicht getötet».

Mallorca erlässt weitreichende Maskenpflicht auch im Freien

Damit das Infektionsgeschehen angesichts des Partytourismus unter Kontrolle bleibt, ist auf Mallorca nun eine weitgehende Maskenpflicht in Kraft getreten. Damit folgen die Behörden dem Beispiel Kataloniens und der Extremadura. Dort ist das Tragen einer Maske über Mund und Nase praktisch überall außerhalb der eigenen vier Wände bereits Pflicht, auch dann, wenn der Sicherheitsabstand zu anderen Personen gewahrt werden kann. Auch andere spanische Regionen bereiten eine solche Maskenpflicht vor.

Wer sich nicht an die Maskenpflicht hält, riskiert demnach ein Bußgeld von 100 Euro. In den ersten Tagen soll es jedoch zunächst nur Ermahnungen geben.

Die Behörden hatten einige Ausnahmen angekündigt. Am Strand, am Pool, beim Essen und Trinken, beim Sport und in der Natur außerhalb von Ortschaften dürfe die Maske abgenommen werden, hieß es. Die Maskenpflicht gilt auch auf anderen Baleareninseln.

Spahn besorgt wegen Ballermann

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bürger vor Nachlässigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt und eindringlich aufgerufen, die Schutzmaßnahmen einzuhalten. «Die Gefahr einer zweiten Welle ist real», sagte Spahn bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Er rief die Bevölkerung auf, gerade auch in Urlaubszeiten wachsam zu bleiben und nicht übermütig zu werden. Spahn bat die Bürger, in der Corona-Krise weiterhin Abstand zu halten, die Hygienemaßnahmen einzuhalten und Alltagsmasken zu tragen.

Mit Blick auf die Lage auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca, äußerte sich Spahn besorgt. «Wir müssen sehr aufpassen, dass der Ballermann nicht ein zweites Ischgl wird», sagte er. Dort, wo miteinander gefeiert werde, sei das Risiko besonders hoch - auch das Rückreiserisiko für alle anderen im Flugzeug und für die Menschen zu Hause. Feiern im österreichischen Skiort Ischgl gelten als einer der Ausgangspunkte für die Verbreitung des Coronavirus auch in Deutschland.



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