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Lebensbedrohliche Erkrankung

Corona-Krise kann Depressionen verstärken

Der neue Teil-Lockdown wird für Menschen mit psychischen Leiden erneut bedrückender als für andere, prognostizieren Psychiater. Ergebnisse aus dem Frühling zeigt das neue «Depressions-Barometer».

veröffentlicht am 10.11.2020 um 12:24 Uhr
aktualisiert am 10.11.2020 um 13:11 Uhr

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In Deutschland sind Menschen mit Depressionen nach einer neuen Studie stärker von Folgen der Corona-Maßnahmen betroffen als die Allgemeinbevölkerung.

So haben sie zum Beispiel den Lockdown im Frühjahr als deutlich belastender erlebt, heißt es im neuen «Deutschland-Barometer Depression», das die Stiftung Deutsche Depressionshilfe in Leipzig veröffentlichte. Das sei auch für den aktuellen Teil-Lockdown zu erwarten, sagte Psychiater Ulrich Hegerl als Vorsitzender der Stiftung.

Nach Angaben der Stiftung sind in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen depressiv erkrankt. Im Frühjahr habe fast jeder zweite dieser Patienten Einschränkungen bei der Behandlung erlebt, zum Beispiel durch ausgefallene Arzttermine oder Klinik-Aufenthalte. Auch jetzt stellten Kliniken Ressourcen für die Behandlung von Corona-Infektionen um. Das gehe erneut auch auf Kosten der Versorgung von Menschen mit psychischen Leiden, sagte Hegerl. «Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche und dringend behandlungsbedürftige Erkrankung.»

Die Stiftung hat für ihr viertes Depressions-Barometer im Juni und Juli rund 5000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ online befragen lassen. Daneben wertete sie in einer Stichprobe Antworten von Menschen in einer depressiven Phase aus und verglich die Werte.

Danach empfanden rund drei Viertel der Menschen mit Depressionen (74 Prozent) den Lockdown im Frühjahr als bedrückend. In der Allgemeinbevölkerung waren es 59 Prozent, heißt es in der Analyse. Menschen in einer depressiven Phase hätten zum Beispiel fast doppelt so häufig unter einer fehlenden Tagesstruktur (75 Prozent) und Grübelei (89 Prozent) gelitten als die Allgemeinbevölkerung (39 und 41 Prozent). In der häuslichen Isolation seien depressiv Erkrankte zudem deutlich häufiger tagsüber im Bett geblieben (48 Prozent versus 21 Prozent). Deutlich mehr als ein Drittel (43 Prozent) von ihnen gab an, dass es zu Konflikten und Streit kam. In der Allgemeinbevölkerung sagte das weniger als ein Fünftel (18 Prozent) der Befragten.

«Für Menschen mit einer Depression wird der Rückzug in die eigenen vier Wände durch diesen zweiten Teil-Lockdown wieder viele negative Auswirkungen haben», prognostizierte Hegerl. Depressiv Erkrankte hätten so mehr Zeit zum Grübeln und könnten noch tiefer in die Depression geraten. «Das sind Aspekte, die mir große Sorgen bereiten», ergänzte der Psychiater. Nur für einen kleineren Teil der Patienten seien Telefon- und Videosprechstunden sowie Online-Programme eine mögliche Alternative - auch wenn die Angebote nun häufiger angenommen würden als früher.



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