weather-image
16°
×

Bewachung in Berlin verstärkt

Kreml: Russland zur Zusammenarbeit in Fall Nawalny bereit

Der Fall Nawalny hat zu heftigem Streit zwischen Berlin und Moskau geführt. Der Kreml hat bisher hartnäckig alle Vorwürfe zurückgewiesen. Nun zeigt man sich doch kooperativ - unter Bedingungen.

veröffentlicht am 10.09.2020 um 17:31 Uhr

Autor:

Russland ist nach Kremlangaben nun doch zur internationalen Zusammenarbeit im Fall des vergifteten russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny bereit.

Russland werde Kontakt aufnehmen mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), nachdem Deutschland seine Untersuchungsergebnisse zu dem «Berliner Patienten» übergeben habe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag. Nawalny soll in Russland mit einem international geächteten Nervengift der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sein.

Der 44 Jahre alte Nawalny, einer der schärfsten Gegner von Kremlchef Wladimir Putin, wurde am 20. August bei einem Inlandsflug in Russland bewusstlos. Auf Drängen seiner Familie wurde er nach einer Erstbehandlung in Sibirien nach Berlin in die Charité verlegt. Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr als erwiesen an, dass er mit einem militärischen Nervenkampfstoff vergiftet wurde. Unterstützer Nawalnys vermuten Moskau hinter der Tat.

Von deutscher Seite habe es bisher keine Reaktion gegeben, trotz entsprechender Anfragen der russischen Generalstaatsanwaltschaft, Untersuchungsergebnisse zur Verfügung zu stellen, sagte Peskow.

Russland sah bisher keinen Grund, überhaupt etwas zu unternehmen. Der russische Vertreter bei der OPCW, Alexander Schulgin, teilte mit, dass von Berlin bisher keine Unterlagen übergeben worden seien.

Auch Peskow hatte betont, Nawalny sei den Deutschen im August ohne Vergiftungserscheinungen übergeben worden. Russische Ärzte hatten dem lange bewusstlosen Nawalny eine Stoffwechselstörung und niedrigen Blutzucker bescheinigt. Russische Politiker meinten, Nawalny sei womöglich in Deutschland vergiftet worden. Peskow betonte nun erneut, dass die russischen Spezialisten kein Gift nachgewiesen hätten.

Mit Nachdruck wiesen Peskow und Russlands Chefdiplomat Sergej Lawrow Äußerungen von US-Außenminister Mike Pompeo als nicht hinnehmbar zurück, russische Funktionäre könnten an einer Vergiftung beteiligt gewesen sein. Russland werde dem Westen kein Wort mehr glauben zur Situation um Nawalny, sagte Lawrow vor Journalisten in Moskau.

Kremlsprecher Peskow informierte außerdem darüber, dass Präsident Wladimir Putin den Fall auch mit dem italienischen Regierungschef Giuseppe Conte besprochen habe. Dabei sei es lediglich um russische Prüfungen zu Vorermittlungen in dem Fall gegangen. Es gebe aber weiter keine Grundlage, ein Strafverfahren einzuleiten, sagte Peskow.

Indessen soll das Berliner Landeskriminalamt (LKA) nach einem Medienbericht die Vorkehrungen für die Sicherheit Nawalnys verschärft haben. Sowohl die Anzahl der eingesetzten Beamten als auch die Kontrolldichte sei erhöht worden, berichtet der «Spiegel» (Online) am Donnerstag und verweist auf gemeinsame Recherchen mit der Investigativplattform Bellingcat. «Er soll jetzt auch im Krankenhaus bewacht werden.»

Ein Polizeisprecher sagte auf Anfrage, zuständig sei das LKA in enger Abstimmung mit anderen Behörden. Anfangs sei das Bundeskriminalamt (BKA) zuständig gewesen, das habe dann gewechselt. Es gebe aber weiterhin einen engen Kontakt und Informationsaustausch mit dem BKA.

Zu Wochenbeginn hatte die Charité mitgeteilt, der Gesundheitszustand Nawalnys habe sich gebessert, das künstliche Koma sei beendet worden. Der 44-Jährige werde nun schrittweise von der maschinellen Beatmung entwöhnt und reagiere auf Ansprache. Langzeitfolgen der schweren Vergiftung seien aber weiterhin nicht auszuschließen. Bis Donnerstagnachmittag veröffentlichte die Klinik keine neuen Angaben zum Gesundheitszustand Nawalnys.

Laut «Spiegel»-Bericht soll der Kremlkritiker bereits wieder sprechen können und sich «vermutlich an Details vor seinem Zusammenbruch an Bord eines Flugzeugs vom sibirischen Tomsk in Richtung Moskau erinnern». Die angeblich verschärften Sicherheitsvorkehrungen stehen demnach in Zusammenhang mit der Befürchtung, es könne zu weiteren Attentatsversuchen kommen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kontakt
Redaktion
E-Mail: redaktion@dewezet.de
Telefon: 05151 - 200 420/432
Anzeigen
Anzeigen (Online): Online-Service-Center
Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
Abo-Service
Abo-Service (Online): Online-Service-Center
Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
X
Kontakt