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Impfkampagne

35.000 Arztpraxen starten nach Ostern mit Corona-Impfungen

Das große Netz der niedergelassenen Ärzte soll den Durchbruch für die Corona-Impfungen ermöglichen. Gleich zum Auftakt ist der Schub aber noch nicht so groß - und Dosen gehen auch noch an die Impfzentren.

veröffentlicht am 01.04.2021 um 15:08 Uhr

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Die Corona-Impfungen sollen in der Woche nach Ostern auch in bundesweit 35.000 Hausarztpraxen starten und dort allmählich hochgefahren werden.

«Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger», sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin. Für die erste Woche haben die Praxen demnach 1,4 Millionen Dosen bestellt. Geliefert werden sollen entsprechend der Planungen von Bund und Ländern 940.000 Dosen. Daneben bekommen die Impfzentren der Länder 2,25 Millionen Dosen pro Woche. Später sollen auch Fachärzte, Privatärzte und Betriebsärzte mitimpfen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sagte: «Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen nach Ostern 35.000 weitere dazu, und das ist kein Aprilscherz.» Die Bereitschaft sei extrem groß. Er sei zuversichtlich, dass es trotz zunächst geringer Impfstoffmengen einen guten professionellen Start in den Praxen geben werde. «Die Kolleginnen und Kollegen können das.» Angesichts von zuletzt insgesamt 87.000 impfenden Praxen zeige sich das Riesenpotenzial, eine Größenordnung von mehreren Millionen Dosen zu erreichen und damit im Kampf gegen die Pandemie Tritt zu fassen.

Spahn sagte, mit dem Start in den Praxen würden Abläufe etabliert, um die Zahlen in wenigen Wochen deutlich steigern zu können. Ende April seien mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen. Der Impfstoff gehe vom Bund an den Großhandel und dann über die Apotheken an die Praxen. Mancherorts haben Praxen schon mit Impfungen begonnen, zum Beispiel bei Krebspatienten.

In den ersten beiden Wochen solle in den Praxen ausschließlich der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden. Grund sei, dass er in ausreichender Menge verfügbar sei, sagte Spahn. Ab der Woche vom 19. April seien Biontech und Astrazeneca vorgesehen, danach Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Spahn rief Bürger, die schon Termine in Impfzentren haben, dazu auf, diese auch wahrzunehmen.

Insgesamt sind inzwischen 13,8 Millionen Dosen gespritzt worden, wie der Minister sagte. Eine erste Impfung haben 9,6 Millionen Menschen bekommen und damit 11,6 Prozent der Bevölkerung. Schon die nötige zweite Dosis erhielten demnach fünf Prozent der Bevölkerung.

Spahn rief mit Blick auf die Impfzentren der Länder dazu auf, erwartete Lieferungen einzusetzen. «Wenn jetzt 1,7 Millionen Dosen Astrazeneca am Wochenende geliefert werden mitten in der dritten Welle, macht es sehr viel Sinn für den Schutz des Einzelnen und für uns alle, wenn diese 1,7 Millionen Dosen auch schnellstmöglich verimpft werden.» Wenn Impfstoff da sei, sollte er auch an Feiertagen und länger als bis 18.00 Uhr geimpft werden. «Das Virus kennt keine Feiertage.»

Gassen sagte, er halte den Astrazeneca-Impfstoff «nach wie vor für sicher». Die Nebenwirkungen seien selten. Nach einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wird Astrazeneca in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahre eingesetzt. Bei 2,7 Millionen verabreichten Astrazeneca-Dosen waren 31 Verdachtsfälle einer Hirnvenenthrombose gemeldet worden, in neun Fällen tödlich.

Gassen sagte, auf Beipackzetteln etwa bestimmter Rheumamedikamente oder von Anti-Baby-Pillen würden «in deutlich höheren Größenordnungen gleich schwere Risiken» genannt. «Da macht keiner großes Bohei», so der KBV-Chef. «Nehmen Sie mal Viagra, da stehen noch ganz andere Nebenwirkungen drin.» Für die Hausärzte, die nun in der Fläche mit den Corona-Impfungen beginnen, sei es kein Problem, über Astrazeneca aufzuklären. «Die Hausärzte sind ja gewohnt, dass die Patienten sie fragen.» Die Ärzte würden sich an die Stiko-Empfehlung halten.

Spahn sagte: «Wir haben 24, 25 Millionen Menschen in Deutschland über 60.» Für das zweite Quartal würden etwa 15 Millionen Dosen Astrazeneca erwartet. Ausreichend Menschen würden den Impfschutz gerne annehmen. «Denn der Schutz ist gut.» Er selbst würde sich grundsätzlich auch mit Astrazeneca impfen lassen, sagte Spahn. «Ja, wenn ich dran wäre.» Er würde wie bei anderen Gesundheitsfragen die Sache vorher mit seinem Arzt abklären.

Die Millionen Menschen mit Astrazeneca-Erstimpfung würden ebenso wie alle anderen komplett geimpft, versprach Spahn. Hintergrund ist, dass die Stiko erst entscheiden will, wie es mit der Zweitimpfung bei Unter-60-Jährigen sein soll. «Wir werden sicherstellen, dass jeder Bundesbürger, der will, einen vollen Impfschutz bekommt und ein Impfschema, das diesen vollen Impfschutz garantiert, und sei es, indem wir ein neues Impfschema beginnen.»



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