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Grüner Landeschef,

Kretschmann irritiert mit Vorstoß zu Flüchtlingsgruppen

Stuttgart/Leipzig (dpa) - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will kriminelle Gruppen junger Flüchtlinge trennen und aus großen Städten fernhalten.

veröffentlicht am 10.11.2018 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 08:23 Uhr

Will Flüchtlinge, die in Gruppen Straftaten begehen, von Großstädten fernhalten und im Land verteilen: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann. Foto: Christoph Schmidt

«Großstädte sind für solche Leute wegen der Anonymität attraktiv und weil sie dort Gleichgesinnte treffen», sagte der Grünen-Politiker der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen». Bei seinen Parteifreunden, die am Samstag auf einem Bundesparteitag in Leipzig auch über Asylpolitik diskutierten, sorgte der Vorstoß für Stirnrunzeln - insbesondere Kretschmanns Wortwahl stieß auf Kritik.

«Solche Gruppen muss man trennen und an verschiedenen Orten unterbringen», sagte Kretschmann. Der Gedanke, einige von ihnen «in die Pampa» zu schicken, sei nicht falsch. «Salopp gesagt ist das Gefährlichste, was die menschliche Evolution hervorgebracht hat, junge Männerhorden. Solche testosterongesteuerten Gruppen können immer Böses anrichten.» Die Vergewaltigung in Freiburg im Breisgau sei ein schlimmes Beispiel. Dort soll eine 18 Jahre alte Studentin nach einem Disco-Besuch von mehreren Männern vergewaltigt worden sein. Sieben Syrer und ein Deutscher sitzen in Untersuchungshaft.

Die Grünen-Spitze kritisierte Kretschmanns Ausdrucksweise, deutete seine Äußerung aber inhaltlich als Bestätigung grüner Positionen. «Ich hätte es anders formuliert, aber in der Sache unterstreicht Kretschmann das, wofür wir Grünen lange streiten», sagte Parteichefin Annalena Baerbock der Deutschen Presse-Agentur. «Rein gar nichts» könne Gewalt gegen Frauen rechtfertigen, auch keine traumatische Fluchterfahrung. Es gebe Strukturen, die Gewalt förderten. «Daher haben wir immer gesagt, dass es für Asylsuchende dezentrale Unterbringung geben muss. Das ist die beste Prävention.»

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, rügte ebenfalls Kretschmanns Wortwahl: «Man sollte gerade bei heiklen Themen auf seine Sprache achten», sagte er dem Sender Phoenix. «Ich finde die Sprache zwar problematisch, aber Winfried Kretschmann bringt es auf den Punkt, warum die Ankerzentren von Innenminister (Horst) Seehofer und CDU/CSU nicht nur inhuman sind, sondern zu einem Sicherheitsproblem führen.» Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte, er hätte eine «staatstragendere Sprache» empfohlen. «Das ist nicht unsere Sprache, diese radikale Sprache.»

Das Interview des Baden-Württembergers stößt in der Partei auch wegen des Zeitpunkts seiner Veröffentlichung auf Stirnrunzeln. Die Grünen diskutierten am Wochenende auf einem Bundesparteitag über ihr Wahlprogramm für die Europawahl im Mai 2019, am Samstagmorgen standen die Themen Sicherheit, Asyl und Migration auf der Tagesordnung. Kretschmann ist in Leipzig nicht dabei, Grund seien langfristig geplante private Termine, hieß es.

Schon Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer hatte auf Facebook gefordert, gewaltbereite Flüchtlinge in «sicheren Landeseinrichtungen» in «entlegenen Gegenden» unterzubringen. Auch dieser Vorstoß war bei vielen Grünen schlecht angekommen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Partei, Gesine Agena, ging in einer Rede direkt auf die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Freiburg ein. Der Polizeipräsident dort habe «sicher gut gemeint» vor Alkohol gewarnt. Aber: «Frauen werden nicht von Alkohol vergewaltigt», sagte Agena. «Frauen werden von Männern vergewaltigt.» Weder ein Ehekrach noch eine traumatische Fluchterfahrung könnten Gewalt gegen Frauen rechtfertigen.

Die Grüne Jugend Baden-Württemberg wies Kretschmanns Vorschlag zurück: «Flapsige Sprüche helfen uns an diesem Punkt nicht weiter und das präventive Wegsperren von "Tunichtguten" in Lagern ohne richterliches Urteil ist mit unserem Rechtssystem nicht vereinbar», teilte die Nachwuchsorganisation mit. Mit der Wohnsitzauflage sei es schon jetzt möglich, Flüchtlinge über das Land zu verteilen.



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