weather-image
22°

Viele marschieren nach Norden

Griechenland: Flüchtlinge glauben Gerüchte über Grenzöffnung

Athen/Thessaloniki (dpa) - Hunderte Migranten haben offiziellen Angaben zufolge versucht, Polizeisperren vor einem Flüchtlingslager nahe der griechischen Hafenstadt Thessaloniki zu durchbrechen. Ihr Ziel war es am Freitag, Richtung Norden zu marschieren und nach Mitteleuropa zu gelangen.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 16:45 Uhr
aktualisiert am 06.04.2019 um 10:13 Uhr

Ein Mann stellt sich auf die Gleise am Bahnhof Athen-Larisa. Foto: Thanassis Stavrakis/AP

Das Migrationsministerium sprach von Hardlinern, die mit «dunklen Zielen» Gerüchte gestreut hätten. Die Migranten sollen davon ausgegangen sein, dass die Nordgrenze Griechenlands zu Nordmazedonien offen sei. Es kam zu Rangeleien mit der Bereitschaftspolizei, wie das griechische Fernsehen berichtete. Die Spannungen dauern seit zwei Tagen an.

Während des Höhepunkts der Migrationskrise vor rund drei Jahren war entlang der Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien ein Grenzzaun gebaut worden. Dieser steht noch und wird überwacht. Damit ist die sogenannte Balkanroute nach Mitteleuropa weitgehend geschlossen worden. Sie führt von Griechenland über Nordmazedonien, Serbien und Ungarn nach Mitteleuropa. 2015 und 2016 waren mehr als eine Million Migranten über diese Route nach Deutschland gelangt.

Auch in Athen versammelten sich am Freitag Hunderte Migranten im Hauptbahnhof und forderten, mit einem Zug nach Nordgriechenland reisen zu dürfen. Diese wichtigste Bahnstation des Landes musste am Freitag gesperrt werden, wie die Eisenbahndirektion (Trainose) mitteilte. Humanitäre Organisationen und die Regierung in Athen riefen die Migranten auf, in die Flüchtlingslager zurückzukehren.

Die Idee eines Marsches gen Norden soll im Internet verbreitet worden sein. Demnach soll die Grenze zwischen Griechenland und Nordmazedonien für Migranten geöffnet werden, wenn sich Migranten massenweise dorthin begeben. «Es ist eine Lüge, dass die Grenze aufgemacht werden soll. Das wird es nicht geben», erklärte der griechische Migrationsminister Dimitris Vitsas im Staatsfernsehen (ERT) am Freitag. Bislang stünden seinen Angaben nach allein in einem Lager in Nordgriechenland 700 Menschen zum Aufbruch gen Norden bereit. Auch das Hilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) warnte die Migranten davor, Gerüchten von einer Öffnung der Grenze zu glauben.

Die Polizei kritisierte, dass einige Migranten im Flüchtlingslager von Diavata nahe Thessaloniki Frauen und Kinder als eine Art Vorhut einsetzten, um die Absperrung der Polizisten zu überwinden, berichteten Reporter vor Ort. Es gebe unter den Migranten einige «Hardliner», die Spannungen erzeugen wollten, sagte der für die Flüchtlingslager in Nordgriechenland zuständige Beamte des Migrationsministeriums, Nikos Ragkos, Reportern in Thessaloniki. Bereits am Vortag hatten rund 500 Migranten versucht, die Polizeiabsperrungen nahe Diavata zu durchbrechen. Einige schmissen Steine auf die Beamten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Bulgarien verstärkte angesichts des «gestiegenen (Migrations-)Drucks» den Schutz seiner Grenze zu Griechenland. Das sagte Innenminister Mladen Marinow am Freitag im Parlament in Sofia, ohne die Anzahl versuchter oder gelungener illegaler Grenzübertritte aus Griechenland zu nennen. An allen bulgarischen Grenzen seien im ersten Quartal 2019 insgesamt 112 Migranten festgehalten worden, sagte der Minister.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Copyright © dpa - Deutsche Presseagentur 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?