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Streamingdienste bieten eine große Auswahl für wenig Geld

Musikgeschichte in der Hosentasche

Musikstreaming ist weiter auf dem Vormarsch. Auf dem weltgrößten Markt USA ist es inzwischen die wichtigste Einnahmequelle. Erstmals wurde dort 2015 mehr Umsatz mit Streaming direkt aus dem Netz als mit Song-Downloads erzielt – mit 2,4 Milliarden Dollar ergibt das einen Anteil von 34,3 Prozent. In Deutschland liegt die CD noch deutlich mit 60,8 Prozent vorn, die Streaming-Einnahmen verdoppelten sich aber auf nun 14,4 Prozent des Gesamterlöses. Weltweit streamten die Nutzer im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Stunden Musik.

veröffentlicht am 29.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.10.2016 um 13:29 Uhr

Michael Zimmermann

Autor

Gastautor zur Autorenseite

Im Gegensatz zum Download wird ein Song beim Streaming nicht erst vollständig heruntergeladen, damit er gehört werden kann. Der Nutzer hat jederzeit Zugriff auf beinahe jeden Titel der Musikgeschichte, ohne dass er ihn kaufen muss, bei einigen Anbietern auch ohne Verbindung zum Internet.

Neben Apple, Spotify und Deezer tummeln sich unzählige weitere Anbieter auf dem Markt, darunter auch Microsoft mit dem Dienst „Groove“ und Google mit „Play Music“. In den USA macht sich YouTube Red schon auf, ein Stück vom Kuchen abzugreifen.

Die Zahl der verfügbaren Titel liegt bei allen Anbietern zwischen 30 und 40 Millionen – eine unvorstellbare Zahl. Amazon Prime Music bietet „nur“ rund eine Million Titel, die nach Unternehmensangaben dem Geschmack der Mehrheit entsprechen sollen. Bei jedem Anbieter fehlen einige Interpreten: Die Ärzte und die Toten Hosen verweigern sich beispielsweise dem Streaming komplett, auch Adeles Album „25“ gab es zunächst nirgendwo. Rammstein läuft nur bei Spotify, bestimmte Alben von Taylor Swift, Radiohead oder Pharell Williams nur bei Apple. Prince bietet sein Gesamtwerk nur noch bei Tidal an.

Die einzelnen Angebote unterscheiden sich eher im Detail: Das Abo kostet nach einer ersten kostenlosen Testphase etwa zehn Euro, bei einigen gibt es eine werbefinanzierte Gratis-Version mit eingeschränkten Funktionen.

Apple Music bietet zusätzlich einen Familientarif für bis zu sechs Personen, der für 14,99 Euro erhältlich ist. Apple wirbt außerdem mit kuratierten Inhalten, das heißt, die Playlists werden nicht von Algorithmen, sondern von „echten Menschen“ erstellt. Zusätzlich gibt es hier noch den moderierten Radiosender „Beats 1“ sowie diverse Themensender.

Der französische Dienst Deezer will ebenfalls mit Internetradios punkten, dazu bekommt man neben der Nutzung auf Mobilgeräten zusätzlich im Webportal die Möglichkeit, direkt Songs zu mixen. Mit einem Klick sind außerdem die Songtexte abrufbar.

Für Entdecker bietet sich der Streaming-Dinosaurier Last.fm an. Statt gezielt nach Titeln oder Alben zu suchen, lässt man hier den Dienst Musik abspielen, die dem eingegebenen Song oder Künstler ähnlich ist. Last.fm merkt sich auch, welche Musik in anderen Playern gehört wird und passt seine Empfehlungen daran an. Für rund drei Euro im Monat entfällt die Werbung und es gibt Zugang zu zusätzlichen personalisierten Streams.

Auch Napster hat eine 30-Tage-Probephase. Danach kostet die Flatrate entweder 7,95 Euro oder 9,95 Euro mit mobiler Nutzung. Die Titel sind nach Belieben online oder auch heruntergeladen hörbar – allerdings funktionieren die Napster-Dateien nicht mit jedem Player. Aldis Dienst „Life Music“ greift übrigens auf den kompletten Napster-Dienst zu und kostet mit Mobil- und Offline-Modus nur 7,99 Euro.

Der Anbieter Rhapsody hat Napster vor einiger Zeit gekauft, ist aber auch auf dem deutschen Markt mit der eigenen Marke vertreten. Rhapsody bietet eigene redaktionelle Inhalte wie Interviews, Kritiken und Features sowie mehr als 200 Radiostationen.

Marktführer Spotify lässt sich mit Werbeunterbrechungen auch kostenlos nutzen. Man kann schnell und bequem nach Künstlern, Titeln und Alben suchen sowie eigene Playlists erstellen und mit Freunden teilen. Beim Joggen erkennt Spotify das Lauftempo und sucht Musik mit passendem Rhythmus. Das Premium-Angebot mit besserer Soundqualität, exklusiven Inhalten und unbegrenzten Funktionen auf dem Smartphone kann 60 Tage lang getestet werden.

Die Dienste Wimp und Tidal sind seit kurzem unter der Marke Tidal zusammengefasst. Die Plattform, die inzwischen dem Rapper Jay-Z und einigen seiner Musikerkollegen gehört, will mit Qualität punkten. Neben kuratierten Inhalten lassen sich die Songs und Musikvideos in Hifi- beziehungsweise HD-Qualität abspielen. Dies hat allerdings seinen Preis: Wer das Premiumangebot nutzen will, muss 19,99 Euro berappen.

Für Gelegenheitshörer empfehlen sich die Gratis-Angebote von Spotify oder Deezer, auch Amazon Prime Music reicht für die Grundversorgung aus – wenn man Amazon Prime mit Versandkostenflatrate und Videoabruf sowieso nutzt, ist es einen Test wert. Wer auf guten Klang Wert legt und die entsprechenden Geräte zu Hause hat, ist mit Deezer Elite und Tidal gut beraten. Apple Music bietet sich für Familien an, allerdings gibt es dort bislang keine Hörbücher.

Wichtig für mobile Nutzer: Wer viel unterwegs streamt, sollte unbedingt seine Einstellungen anpassen. Auf dem Smartphone reicht auch eine niedrigere Soundqualität aus, die das Datenvolumen schont. Ein Song in Standardqualität verbraucht etwa drei Megabyte. Einige Mobilfunkprovider haben inzwischen auch Streamingpakete im Angebot. Die Telekom kooperiert zum Beispiel mit Spotify: Für zusätzliche zehn Euro monatlich werden die Streams nicht auf das Datenvolumen angerechnet.



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