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Rapper, DJs, Producer, Writer, B-Boys und Beatboxer aus der Region

Wo Hip-Hop zu Hause ist

WESERBERGLAND. Beim Blick durch die Hip-Hop-Brille auf die heimische Landkarte wird klar: Viele namhafte Rapper, DJs, Produzenten, Graffiti-Künstler und Beatboxer haben ihre Wurzeln in der Region. Sie kommen aus Bodenwerder, Rinteln, Bad Pyrmont, Bösingfeld, Hessisch Odendorf, Minden, Bad Oeynhausen und Lemgo. Allein um Hameln war es lange Zeit auffällig still. Doch das ändert sich gerade.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 10:31 Uhr
aktualisiert am 22.12.2020 um 19:17 Uhr

Philipp Killmann

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Reporter zur Autorenseite

Hip-Hopper aus dem Weserbergland

Hameln
Nach der Breakdance-Welle in den 1980er Jahren, die B-Boys auch in die Hamelner Fußgängerzone spülte, fungierte die Rattenfängerstadt in den 90er Jahren vor allem als Anlaufstelle für Hip-Hopper aus der Region. An der Bahnhofstraße gab es den Plattenladen Beatstreet, bei Radio Aktiv die Rap-Show „… vom Feinsten“, im Regenbogen große Hip-Hop-Jams. Neben Rap-Größen wie Curse, Samy Deluxe, Kool Savas oder Azad standen dort auch Lokalmatadoren wie der Nation Clan aus Bad Pyrmont oder Soulrock aus Rinteln auf der Bühne. Unter den Gästen tummelten sich Leute, wie Casper, Big Toni …

Ein in Hameln und Umland längst zum Klassiker avanciertes Tape lieferte 1998 schließlich das Duo 707, bestehend aus dem Hamelner DJ Aleksandar Prstec alias Aleks P. und dem Hessisch Oldendorfer MC Lars Kugel alias Lars B., ab: "Ryhmes, Beatz & Bullshit". Es blieb die einzige gemeinsame Veröffentlichung des Hamelner Zwei-Mann-Teams. 

Doch Hamelner Hip-Hopper, die sich auch außerhalb der Stadt einen Namen machten, gab es lange Zeit nicht. Eine Ausnahme bildete Ali Reza Zeinali Yazdi alias Treyer, der in den 90ern in Hameln den Breakdance wieder aufleben ließ und später, zurück in Wiesbaden, in der Rap-Gruppe Sieben aufging, die etwa für Curse produzierte. Später sorgte die Breakdance-Crew Lost Kidz für Aufsehen jenseits der Stadtmauern.

Heute ist Christian Pook alias G-Ko alias Zombie Red ein Rapper und Produzent aus Hameln, der in der Szene zunehmend von sich reden macht: an der Seite des Hannoveraners MXP als Dick & Doof sowie als Mitglied der Zombiez. An dem letzten Dick & Doof-Album arbeitete Oliver Sauerland aus Bodenwerder mit. Eugen Langemann alias KVSV (Kasa) alias Zombie Gr€¥ ist ebenfalls Teil der Zombiez-Crew und ein Hamelner Produzent, der unter anderem eng mit MXP zusammenarbeitet.

Auf Platz 3 der deutschen Charts landete im Frühjahr 2018 das neue Album von Ruffiction. Die Rap-Gruppe besteht mit Crystal F und Crack Claus zu zwei Dritteln aus Hamelnern. Crystal F lebt seit Jahren in Berlin.

Ein großer Wurf gelang Paul Michalik alias Elluess, als er im Oktober 2018 seine Debüt-EP „Kreis“ veröffentlichte: eine buchstäblich runde Sache, mit lyrischen Texten und auf der Höhe der Zeit ausgefeilten Beats, produziert von Ikarus aus Hannover und Kasa, die in Hameln bislang seinesgleichen sucht. Bereits kurz zuvor hatte sein Kumpel Harzweia, ebenfalls aus Hameln, gewissermaßen unter dem Radar ebenfalls sein erstes Minialbum, "Modus", veröffentlicht, das von der Öffentlichkeit zwar weitgehend unbeachtet blieb, aber sich in Anbetracht der stabilen Raps und amtlichen Beats (gemischt von G-Ko) keineswegs zu verstecken braucht. Gemeinsam mit Elluess und dessen jüngerem Bruder Tibe, der seinerseits im Februar 2020 seine erste EP ("Kleinstadt") veröffentlicht hat, bildet Harzweia die Crew 317 Original.

Ebenfalls aus dem Dunstkreis der 317-Crew ist Toni Dizdar alias Toni Vice, der sich 2020  als Veranstalter und Produzent einen Namen gemacht hat. Er ist verantwortlich für das "317 Turnup"-Festival, das coronabedingt leider ausfallen musste, sowie für die Alternativeranstaltung, das "317-Turnup-Open Air", das im September stattfand. Darüber hinaus produzierte er Elluess' bislang größten Hit, den im August veröffentlichten Song "Misere".

Es brodelt im Hamelner Untergrund. Mit Patrik Vorpahl alias Fuzzelbrain gibt es in der Weserstadt auch einen Rapper, der sich dem klassischen Ideal eines MCs verpflichtet fühlt: technische Finesse trifft auf Consciousness, Freestyle-Skills und Live-Qualitäten. Anfang 2019 veröffentlichte er sein erstes Minialbum: „Zeitwert“. Unterstützt wird er von seinem Partner in Rhyme Omid Walizadeh alias Mido, der im Sommer seine erste eigene Single „Kiss Kiss“ releaste.

Neu auf der Hamelner Rap-Karte ist Joel Enß. Der bis dato vornehmlich als Straßenmusiker bekannte Künstler veröffentlichte im Februar 2020 die EP "Voll verpalmt" und damit sein erstes reines Rap-Album. Aufgenommen hat er es zusammen mit dem Hamelner Produzenten Nico Potthast alias Fleggo. Auf der EP finden sich weitere lokale Nachwuchs-Rapper wie AzumO, Aro oder Esco. Darüber hinaus arbeitet Joel Enß eng mit dem Rapper Yahya Abou Moulig alias Jajah Bringts zusammen.

2020 sind zudem Kayne Robinson alias Caine und Sebastian Unrau alias Curt Bain auf dem Hamelner Parkett vorstellig geworden. Inzwischen hat sich um Caine und Curt Bain zudem ein kleines Label gegründet: Nicht Registriert Records. Dazu zählen die weiteren Künstler TwoFace, Jamalo318 und Amaru.

Die Gebrüder Michalik: Elluess (li.) und Tibe. Foto: Max Licht aka Max Reese/pr

Bad Pyrmont
Erste Bühnenerfahrung sammelte Costa Meronianakis aus Bad Pyrmont in der Region als Rapper mit seiner Gruppe Nation Clan sowie als Tänzer und Hype Man von Blaque (siehe Hessisch Oldendorf). Nach einem erfolglosen Intermezzo mit der Combo D-Zone Mitte der 90er Jahre wurde Moses Pelham vom damaligen Rödelheim Hartreim Projekt auf den Pyrmonter aufmerksam, nahm ihn bei 3P in Frankfurt unter Vertrag. In der Folge veröffentlichte Meronianakis als Illmatic vier Alben; auf "Still Ill" war auch sein jüngerer Bruder Zac vertreten, der seinerzeit gemeinsam mit den Haughty Kidz im Windschatten des Nation Clan Bad Pyrmont repräsentierte. 2003 veröffentlichte Illmatic zusammen mit Kool Savas als Freunde der Sonne das Album "Nur noch 24 Stunden". Heute ist der Wahl-Frankfurter zwar vor allem als Stand-up-Comedian tätig – es ist aber nicht ausgeschlossen, dass eines Tages das vor geraumer Zeit angekündigte gemeinsame Album mit Moses Pelham doch noch erscheint. "Coming soon!", wie Meronianakis und Pelham unisono sagen. Seit Jahren.

Ein Rapper der nachfolgenden Generation aus Bad Pyrmont ist Mert, der auch überregional von sich reden macht. Dies allerdings nicht nur mit seiner Musik, sondern in der Vergangenheit auch mit höchst homophoben Statements.

Ein weiterer Pyrmonter Rapper, der im Januar 2019 mit seiner Single "Jaja" sogar die deutschen Charts stürmte, ist Ferhat Tuncel alias Fero47. Im Dezember veröffentlichte er nach weiteren Single-Auskopplungen sein Debütalbum "47". Darauf widmet Fero seiner Heimatstadt Pyrmont sogar einen eigenen Song.

Kein Hip-Hopper, aber ebenfalls aus Bad Pyrmont, ist Vassili Golod. Der von London aus tätige ARD-Reporter hat mit Kollege Jan Kawelke beim WDR den preisgekrönten Podcast "Machiavelli" ins Leben gerufen. Darin beschäftigen sich die beiden mit Rap und Politik und laden dazu Vertreter aus Politlandschaft und Hip-Hop-Szene zu Interviews in ihre Sendung ein.

Fero47 Foto: Rap Musik Vanfim/pr

Bodenwerder

Als Phillie MC machte sich Oliver Sauerland aus Bodenwerder in der deutschen Hip-Hop-Landschaft zunächst wenig Freunde – zu inszeniert und wenig originell. Aber kommerziell erfolgreich. Später wurde er Mitglied der Punk-Band Abstürzende Brieftauben, seinen Jugendidolen. Auch als Produzent setzte Sauerland Zeichen. Für Produktionen für Die Atzen und Nena wurde er mit Goldenen Schallplatten ausgezeichnet. Seine eigene Punk-Band heißt „Band ohne Anspruch“. Als Jonny Bockmist rappt er heute noch.

Oliver Sauerland Foto: pk

Hessisch Oldendorf
Eines der ersten deutschen Rap-Alben hat seinen Ursprung in Hessisch Oldendorf: „It‘s A Blaque Thing“ erschien 1991 bei der EMI Group. Die Gruppe dahinter, Blaque, bestand aus den US-amerikanischen, in Hessisch Oldendorf stationierten Rappern Courtney Davis alias C-Bone und Steve Harbison alias T.A.M.C sowie Produzent und DJ Sascha „Busy“ Bühren aus Bad Oeynhausen.

2015 machte aus Hessisch Oldendorf der Rapper L.E.V. von sich reden. Damals veröffentlichte er das Album "Rot". Zurzeit ist er als Schauspieler in dem Film "Romeos Erbe" zu sehen - und als Rapper zu hören. 

Mit Medic aus Zersen, der 2019 seine von Niklas Heinemann alias Nage aus Groß Berkel produzierte Debüt-EP „Auf Turn“ veröffentlichte, verfügt Hessisch Oldendorf über ein gleichermaßen neues wie vielversprechendes Talent, das längst über die Stadtgrenzen hinaus von sich reden gemacht hat und insbesondere live zu überzeugen weiß. Im März 2020 legte Medic mit der EP "Medizinmann" nach.

Unter dem Firmennamen "Row Impact" hat sich derweil Marc Büsing der Vermarktung von lokalen wie überreagionalen Rap-Größen verschrieben: von den 317-Jungs aus Hameln über Silla bis zu Fatman Scoop.

Medic Foto: Nils Klostermann/pr

Rinteln
Daniel Ferreira Sezinando alias Soulrock aus Rinteln macht die Musik mit seinem Mund. Er ist Beatboxer. Noch als Rintelner wurde er als solcher Vizemeister in Berlin. Heute begeistert der Beatboxer die Menschen dort vor allem als Straßenkünstler. Vorübergehend war in Rinteln auch die vielversprechende Crew Jikens zu Hause, bestehend aus A.D. Tos, Jona Jona und J-JD. Ein weiterer Rintelner in Berlin ist der Rapper Johannes Loock alias Zeta.

Soulrock Foto: pk

Minden
Minden hat gleich mehrere große Hip-Hop-Künstler hervorgebracht: Curse setzte als Rapper in Deutschland neue Maßstäbe, die Rap-Gruppe Der Klan lieferte mit dem Album „Flashpunks“ (2000) einen bis heute gefeierten Klassiker, Klan-Mastermind Lord Scan ist zudem ein hervorragender Graffiti-Künstler, der in Minden das „Hack & Lack“-Festival veranstaltet. Toni „Big Toni“ Schönebeck ist ein international gefeierter Breakdancer, der heute mit seinem Bruder Ricco das Produzenten-Team Hitnapperz bildet. Sie haben maßgeblich das neue Curse-Album „Die Farbe von Wasser“ produziert. Im März 2018 erschien die Single „Zusammen“ von den Fantastischen Vier – produziert von den Hitnapperz. Für philosophische Grundstimmung auf klassischen Boom-Bap-Beats von Antoine Le Guellec alias Tschukka Chops sorgt derweil Juri Kreuz alias Panorama. Mit gleichermaßen steten wie freshen Releases macht darüber hinaus inzwischen der Rapper Shogoon von sich reden. Weserwasser!

Curse Foto: Robert Eikelpoth/pr

Lemgo
Andreas Biernat brachte als Rapper Abroo seine Stadt Lemgo auf die Hip-Hop-Landkarte. Erst allein, dann mit Casper und dem Mainzer Separate als „Kinder des Zorns“, später mit den Antihelden, dann wieder allein. 2016 erschien sein Album „Königreich der Angst“. Im letzten Jahr veröffentlichte er gemeinsam mit Headtrick und Pawcut das Steampunx-Album. Zurzeit ist ein neues Album der Antihelden in Arbeit, die Abroo gemeinsam mit  Dra-Q bildet. In Lemgo betreibt er inzwischen einen eigenen Plattenladen

Abroo Foto/Screenshot: YouTube

Bösingfeld
Benjamin Griffey aus Bösingfeld hat es als Casper wiederholt bis an die Spitze der Charts und zu Gold- und Platin-Alben gebracht. Sein zweites, unter anderem mit Beats von Cyrus aus Groß Berkel produziertes Album „Hin zur Sonne“ (2008) wurde von Busy aus Bad Oeynhausen gemastert; später arbeitete Casper auch mit dem aus Börry/Emmerthal stammenden Produzenten Philipp Hoppen (K.I.Z., Kraftklub). Der Rapper mit der Reibeisenstimme ist für seine musikalischen Ausflüge in rapferne Genres bekannt. 2017 erschien sein Album „Lang lebe der Tod“. Chartplatzierung? Die Eins.

Casper Foto: Four Music/pr

Bad Oeynhausen
Sascha „Busy“ Bühren aus Bad Oeynhausen machte sich zunächst Ende der 80er Jahre als DJ einen Namen, dann als Produzent (Blaque, Curse u. a.) und schließlich als gefragter Audio Master (Seeed, Nena, Lena Meyer-Landrut u. v. m.). Er lebt und arbeitet inzwischen in Berlin.

Busy Foto: pk



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