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Die Antilopen Gang hat gestern ihr Album „Aversion“ über das Label der Toten Hosen veröffentlicht

Rapper mit Attitüde

Düsseldorf. Gleich zu Beginn von „Aversion“ heißt es: „Das ist die neue Antilopen Gang.“ Tatsächlich macht die Gang das, was sie schon immer gemacht hat: guten Rap. Nur etwas ausgefeilter und dass etwas weniger Sprüche geklopft werden. Dass sie gute Sprüche kann, das hat die Antilopen Gang in ihrer langjährigen Untergrundkarriere (bis 2009 fungierten die Antilopen als Anti Alles Aktion) schon zur Genüge unter Beweis gestellt. Und gänzlich auf Sprüche verzichtet wird auf „Aversion“ auch nicht.

veröffentlicht am 08.11.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 07.03.2019 um 15:16 Uhr

Philipp Killmann

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Reporter zur Autorenseite

Für die Produktion des Albums hat man sich wieder auf die eigenen Stärken, sprich auf Danger Dan und Panik Panzer, besonnen und damit hausintern für das gleichermaßen bewährte wie signifikante Soundgerüst gesorgt; inhaltlich beziehen die Antilopen längst nicht zum ersten Mal, aber deutlicher denn je Stellung, weil quasi auf Albumlänge. Somit ist „Aversion“ von einem warmen, weil weitgehend analogen Sound geprägt, mit vielen Gitarren und gesungenen Refrains, und fällt ernsthafter aus als das Gros der vorangegangenen Projekte.

Denn dass es nach dem tragischen Tod von Bandmitglied NMZS, der sich 2013 das Leben nahm, nicht genauso weitergehen würde wie zuvor, war klar. Dass etwa ein Jahr später das Toten-Hosen-Label JKP an die Tür der Antilopen klopfte, war nicht nur unverhofftes Glück, sondern rückblickend nur konsequent: von der Hip-Hop-Szene lange ignoriert, den Toten Hosen von klein auf verfallen (zumindest Koljah) und Punk-Attitüde – das passt. Und seit gestern ist es da, das Album „Aversion“.

Gute Sprüche gibt es zwar immer noch. Aber „Aversion“ steht für Tracks wie das trotzige „Outlaws“, in denen die Antilopen ihr selbst gewähltes Außenseitertum zelebrieren; steht für den warmherzigen Zweiteiler „Chamäleon“, in denen der Mut zur Andersartigkeit beziehungsweise zur Blamage beschworen wird, „denn das Leben ist zu geil, sich zu schämen“; steht für den kompromisslosen Abgesang auf Nazis und jegliche Form von Antisemitismus in „Beate Zschäpe hört U2“. Und wie man den Kapitalismus kritisiert, ohne einen Sündenbock zu erfinden, machen Danger Dan, Koljah und Panik Panzer in Songs, wie dem eingängigen „Ikearegal“ vor.

Schießen gegen Sachen, die sie scheiße finden: Koljah (v.l.), Danger Dan und Panik Panzer von der Antilopen Gang. Thomas Schermer

NMZS lebt nicht zuletzt in „Enkeltrick“ fort, auf ihn gehen die Idee zum Song und eine Strophe zurück. Das Lied handelt davon, wie alten, hilflosen Menschen das Geld aus der Tasche gezogen und mit fadenscheinigen Argumenten gerechtfertigt wird. Und in dem tragikomischen „Verliebt“ geht es um die Schwierigkeit, den Partner zu finden, der seinen eigenen (moralischen) Ansprüchen genügt oder bei dem man sich umgekehrt nicht zum Schatten seiner selbst degradiert.

Weiter werden die mehr oder weniger eigenen Unzulänglichkeiten in „Dejavue“ und „Trümmermänner“ thematisiert. Den Abschluss des 16 Songs zählenden Albums bildet mit „Spring“ die gleichermaßen starke wie anrührende Auseinandersetzung mit dem Thema Suizid.

Wenn im Schwächezeigen die wahre Stärke liegt, dann ist die Antilopen Gang derzeit vielleicht die härteste Rap-Crew des Landes, die sich mit „den Trotteln und Opfern“ solidarisiert und die Courage hat, geradeheraus gegen Sachen zu schießen, die sie scheiße findet, wie Koljah jüngst in einem Interview erklärte.

In Witzen über Behinderte und Homosexuelle sahen die Antilopen schon in der Schule keinen Sinn. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die damit einhergehende Rolle der Außenseiter nehmen sie dafür gerne in Kauf. Und die steht ihnen nicht nur gut. Die hört sich auch sehr gut an.

Hinweis: Das Album „Aversion“ ist seit gestern im Musikhandel als LP, CD oder MP3 erhältlich.



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