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Musik geht unter die Haut und in den Magen / „Weiß-Trio“ spielt am 28. November im Kreishaus

Kussi-Weiss-Quartett begeistert mit Sinti-Jazz in der Sumpfe

HAMELN. Brechend voll ist es im Saal der Hamelner Sumpfblume. Und alle, die am Freitagabend gekommen sind, um das Kussi-Weiss-Quartett auf der Bühne zu erleben, scheinen wie gebannt. Es sind gerade einmal die ersten Akkorde erklungen, da haben die vier Musiker ihr Publikum bereits fest im Griff.

veröffentlicht am 19.11.2017 um 13:01 Uhr
aktualisiert am 13.03.2019 um 11:53 Uhr

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Wenn Kussi Weiss seiner E-Gitarre ein rasendes Stakkato improvisierter Django-Reinhardt-Harmonien entlockt, kann sich niemand dem entziehen. Und wenn dann Hugo Richter einstimmt und die Finger über die Tasten seines E-Pianos fliegen lässt, dann erklingt, begleitet von Mogeli Geisler mit der Rhythmus-Gitarrre und Dietmar Osterburg am Kontrabass, eine Musik, die unter die Haut dringt, die unmittelbar in den Magen fährt, die mitreißt und entrückt: Sinti-Jazz eben.

Diese Musik bedarf keiner weiteren Erklärung, außer vielleicht der, dass sie absolut zeitlos ist. So reicht es auch vollkommen aus, wenn Hugo Richter nur einmal kurz ans Mikrofon tritt, um die Musiker vorzustellen. Mehr Worte würden sie nur stören, diese rasante Abfolge von Klängen, die improvisiert scheinen und doch von den Musikern so blitzsauber auf einander abgestimmt sind.

Über einen Kussi Weiss gibt es nicht mehr viel zu sagen, der Name dieses im Bereich der Sinti-Musik beinahe unvergleichlichen Gitarrenvirtuosen spricht für sich. Dem interessierten Publikum der Rattenfängerstadt ist er ohnehin längst bestens bekannt. Hugo Richter hingegen ist eine Neuentdeckung für die Hamelner und ganz ohne Zweifel ein absoluter Glücksgriff für das Quartett. Was der gerade einmal 28-jährige Dortmunder aus seinem E-Piano erklingen lässt und später seinem mächtigen Akkordeon entlockt, ist geradezu phänomenal. Immer wieder aufbrausender Zwischenapplaus nach seinen sowie den Soli von Kussi Weiss kündet ebenso von der Begeisterung der Menge wie das Pfeifen, Johlen und der stürmische Beifall am Ende der Stücke.

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Der Gitarrenvirtuose Kussi Weiss. Foto: br

Da könnten sich nun Mogeli Geisler, der kurzfristig für den verhinderten Stammgitarristen Tschabo Franzen eingesprungen ist, und Kontrabassist Dietmar Osterburg schon etwas in den Hintergrund gedrängt fühlen, so, wie sie von Weiss und Richter musikalisch dominiert werden. Doch der Schein trügt. Beide sind Vollblutmusiker und absolute Könner an ihren Instrumenten. Ohne sie gäbe es weder diesen vollen Sound noch den für den Sinti-Jazz so typischen Swing. Oder anders ausgedrückt: Ohne sie wären Kussi Weiss und Hugo Richter nicht nur zahlenmäßig nur das halbe Quartett.

Das Konzert des Kussi Weiss-Quartetts war gewissermaßen der inoffizielle Abschluss der Dewezet-Serie „Familie Weiß – Sinti in Hameln“. Nicht nur, dass das Konzert im Zuge der Serie von der Redaktion im losen Verbund mit der Sumpfblume überhaupt auf die Beine gestellt wurde. Kussi Weiss aus Hildesheim ist auch ein enger Verwandter der Hamelner Sinti-Familie Weiß. Aber es zog ihn nicht nur privat immer wieder in die Rattenfängerstadt, sondern auch musikalisch. Der 40-Jährige kann längst auf zahlreiche Auftritte in Hameln zurückblicken.

In der Sumpfblume habe er vor mehr als 20 Jahren seinen allerersten öffentlichen Auftritt in Hameln bestritten: damals noch mit seinem Bruder und dem Hamelner Gitarristen Sascha Weiß, seinem Cousin. Sascha Weiß (48) stand auch am Freitagabend wieder an der Seite von Kussi Weiss. Gemeinsam mit Albany Weiß (34), ebenfalls Gitarrist aus Hameln, begleitete er seinen Cousin zum Ende des Konzerts bei einigen Songs. Mit diesem Gastauftritt wurde somit einmal mehr die Brücke geschlagen zur Dewezet-Serie, in der auch die öffentlich bislang kaum in Erscheinung getretenen Sinti-Musiker von Hameln vorgestellt worden waren.

Ein Teil von ihnen, das „Weiß-Trio“, bestehend aus Sascha und Albany Weiß sowie dem Bassisten Angelo Weiß, wird schon in Kürze einen eigenen Auftritt bestreiten. Am Dienstag, 28. November, um 17.30 Uhr spielt das Weiß-Trio im Kreishaus zur Eröffnung der Kunstausstellung „Montags um sechs…“. Gezeigt werden Bilder vom Fotoclub der Volkshochschule. Der Eintritt ist frei.



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