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40 Jahre Rap, Breakdance und Graffiti – Hamelner gratulieren

Happy Birthday, Hip-Hop!

Am 11. August 1973 kam Hip-Hop zur Welt. Zumindest gab der 18-jährige DJ Kool Herc mit seiner Schwester an diesem Tag in einem Sozialwohnbau im Süden der Bronx von New York eine Party. Eine von Herc entwickelte neue DJ-Technik ließ Funk-Rhythmen in Endlosschleifen laufen und versetzte die Tänzer in Begeisterung. Über ein Mikrofon wurden die Partygäste mit Sprüchen in Reimform angefeuert – Rap-Musik war geboren. Im Verbund mit Breakdance und Graffiti nahm die Erfolgsgeschichte Hip-Hop ihren Lauf. Zum 40. Geburtstag erzählen Hamelner, was sie mit der urbanen Subkultur verbindet.

veröffentlicht am 01.11.2013 um 21:01 Uhr
aktualisiert am 13.03.2019 um 12:14 Uhr

Philipp Killmann

Autor

Reporter zur Autorenseite

Patrick „Sirup“ Schmidt (21), Rapper aus Hameln:

Herzlichen Glückwunsch, Hip-Hop! Ich weiß gar nicht, wann Hip-Hop entstanden ist, da war ich noch nicht auf der Welt. Ich kenne nur „I said a hip, hop, the hippie – the hippie“ und so weiter (Anfangszeilen von „Rapper’s Delight“ von der Sugar Hill Gang aus dem Jahr 1979; Anm. d. Red.).

Ich weiß nicht, wie ich angefangen habe, Rap zu hören. Was mir gefallen hat, das habe ich gehört. Diese ganzen Old School-/New School-Vergleiche kann man vergessen. Jeder Mensch ist anders, der eine macht dies, der andere das. Sprayer sind cool, Breaker sind cool, DJs sind cool, Hip-Hop ist cool. Alles ist cool.

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Patrick "Sirup" Schmidt

Ich habe aber nur mit Rap zu tun. Ich höre das, was mich gerade flasht, und ab und zu schreibe ich dazu ein paar Zeilen. Alles andere ist mir eigentlich lax. Ach, und Biggie Smalls alias The Notorious B.I.G.: Rest in Peace!

Erkan „Aggro Boy“ Bahadir (29), B-Boy aus Hameln:

Ich war zehn Jahre alt, als ich zum ersten Mal mit Hip-Hop in Berührung kam. Mein älterer Bruder erzählte, dass er mit „Breakdance“ angefangen hat. Dadurch fand ich zur Hamelner Breakdance-Szene. Bis heute ist Hip-Hop für mich eine zweite Familie. Ganz egal, für welches der Hip-Hop-Elemente man sich entscheidet, es geschieht immer mit großer Begeisterung. Für viele ist es daher nicht nur ein Hobby, sondern ein Lebensstil. Auch für mich.

Breakdance ist für mich der Schlüssel zur Kreativität. Bei jedem Training entwickele ich neue Moves und lasse so meiner Fantasie freien Lauf. Es gibt mir das Gefühl, frei zu sein. Frei von Sorgen, Ängsten, Problemen und Alltagsstress. Außerdem liebe ich die Musik: Rap und Funk. Mein Motto ist: „Bewege dich nicht zur Musik, lass die Musik dich in Bewegung bringen!“ Und das setze ich seit fast 18 Jahren in die Tat um. Heute trainiere ich regelmäßig mit meiner Crew „Lost Kidz“. Es ist eine Leidenschaft, die ich mit Menschen aller Nationen dieser Welt teile. Hip-Hop gibt es überall. Das Besondere an dieser Kultur ist, dass sie sich jenseits von Ethnie, Geschlecht oder Alter begreift.

Lars „B.“ Kugel (35), DJ, Rapper und Beatbastler aus Haddessen:

Sackzement noch mal! Der Kadett E muss wieder her. In Floridagrünmetallic. Mit beige karierten Tweedpolstern. Plus das mehrere 100 Watt starke Audiosystem zur optimalen MD-Wiedergabe. Opel hatte Kadett, Vectra und Omega. In dieser Reihenfolge. Lars hatte Sir Mix-A-Lot, EPMD und Gang Starr. In dieser Reihenfolge. Nur der Kadett bot den perfekten Klangkörper, um mithilfe fein justierter Hifi-Komponenten sowohl den erfrischend tiefen Frequenzen einer Roland TR-808, der grundrelaxten Stimmlage von Erick Sermon als auch den revolutionär minimalen Beats eines DJ Premier die ihnen gebührende Geltung zu verschaffen.

Die 808-Sounds haben bis heute überlebt und feiern ihr mittlerweile 30. Jubiläum in den ach so modernen Machwerken eines Tyga oder A$AP Rocky. Lachhaft. Schnell zurück in die frühen 90er: Ice Cube war noch wütend, Ice-T hatte die heißeste Ehefrau auf dem Planeten, Notorious B.I.G. war schon dick, als Big Pun noch hinter Laternenpfählen Verstecken spielte, und hierzulande trugen von Bünde bis Bayreuth zumindest alle Co-Rapper Küchenuhren um den Hals. Als wär’s gestern gewesen!

Und heute? Biggie tot, Guru tot und mir ist auch schon ganz schlecht. Synthesizer-Plastikrap im Einheitssound, dargeboten von Personen, deren Intonierung ans Vortragen eines Weihnachtsgedichts erinnert. Beängstigend. Wobei: So oder ähnlich wurde schon damals über die zeitgenössischen Akteure geurteilt. Was soll’s also?!

Vor noch nicht langer Zeit legte ich richtige Oldies auf: James Brown, Zapp und Stevie Wonder – in dieser Reihenfolge. Ein Gast beschwerte sich: „Ey, spiel doch mal Black!“ Dann lieber White! Die Beastie Boys lieferten den perfekten Soundtrack zum Rückspiegel anpöbeln: „It’s the New Style“. In ’94 schon ein Oldie. Heute macht Eminem genau da weiter! Faszinierend.

Stefan „O. Yo!“ (30), Hip-Hop-Aktivist aus Hameln:

Ach, Hip-Hop, soll es schon so weit sein? 40 Jahre seit den Haus- und Block-Partys, auf denen Du Deinen Anfang nahmst. 40 Jahre, in denen Du Dein Gesicht ein ums andere Mal geändert hast und von einer Untergrundkultur zum taktgebenden Einfluss der Pop-Kultur geworden bist. Heiliger Afrika Bambaataa, ich kann es kaum glauben!

Wir liefen uns das erste Mal in den 90ern über den Weg, am Rande eines Spielplatzes dröhnte Vanilla Ice aus einem Ghettoblaster. Es sollten allerdings noch ein paar Jahre vergehen, bis ich mich näher an Dich herantraute.

Um 1995 herum machten mich Luniz mit „I Got 5 On It“ wieder auf Dich aufmerksam. Nachts blieb ich heimlich auf, um mir meine ersten Rap-Videos anzusehen. Auch meine erste Kassette mit Rap-Musik fällt in diese Zeit. So gab es auf den Fahrten zur Schule das Rödelheim Hartreim Projekt aufs Ohr. Dann war auch schon wieder Schluss.

Erst der zweite große Hype um deutschsprachigen Rap Ende der neunziger Jahre machte Schluss mit unserer On-Off-Beziehung, denn Du wurdest zu meinem Lebensmittelpunkt. So gingen wir zusammen durch meine Jugend und durch Deine Zwanziger und Dreißiger.

Heute bist Du nicht mehr Dreh- und Angelpunkt meines Lebens, vielmehr eine Konstante, und ich habe zu Deinem Dasein weit weniger Gravierendes beigetragen als Du zu meinem.

Aber wenn ich zum Zeitvertreib mal wieder einen Loop mache oder einen Vers schreibe, werde ich an Dich denken.

Ich wünsche Dir alles Gute und sage: „Danke!“

Arif „55“ Cakir (27), Rapper aus Hameln:

Hip-Hop ist nach meiner Familie und Religion für mich das Wichtigste in meinem Leben. Ich lebe für Hip-Hop. Rap ist für mich Kampfsport mit Worten und gibt mir die Chance, zu präsentieren, was ich drauf habe. Ich kann erzählen, was ich erlebt habe und was in meinem Umfeld so los ist. So habe ich Hip-Hop auch kennengelernt, vor allem durch Rapper wie Azad und Kool Savas. Ich dachte mir, die erzählen aus ihrem Leben, warum erzählst du nicht mal was aus deinem?! So habe ich angefangen zu rappen.

Außerdem hat mich von klein auf Battle-Rap fasziniert, also Rapper, die miteinander Wortgefechte austragen. Irgendwann habe ich mir gedacht: Das kann ich doch besser! (lacht)

Dima „Perm83“ Röske (30), Graffiti-Künstler aus Hameln:

Hip-Hop begleitet mich schon mein halbes Leben lang. Ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich zu Hip-Hop gekommen bin. Aber ich danke Hip-Hop für all die wunderbaren Jahre und dafür, dass mich das damit verbundene Lebensgefühl zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Hip-Hop begleitet mich 24 Stunden am Tag und beeinflusst mein Denken und Handeln. Durch Hip-Hop habe ich wunderbare Menschen kennengelernt, Wundervolles erlebt, und es passiert immer noch, dass Hip-Hop mir den Atem raubt.

Als Graffiti-Maler kann ich Hip-Hop durch private und gewerbliche Aufträge ausleben und die Welt etwas bunter machen. Ich weiß jetzt schon, dass vor allem Graffiti mir bei meiner späteren Tätigkeit als Sozialarbeiter helfen kann und nicht nur mir neue Türen öffnen wird. Hip-Hop wird niemals sterben, und ich liebe es, ein Teil dieser Kultur zu sein.

Christian „G-Ko“ Pook (23), Rapper und Produzent aus Hameln:

Ich weiß noch, als ich sechs oder sieben war, sah ich Scatman John im Fernsehen. Das fand ich geil, wie der so schnell gesprochen hat, dabei war er ja gar kein Rapper. Aber vielleicht rappe ich deshalb so gerne Doubletime. Später hörten alle 2Pac, aber das war nicht so mein Ding. Vielleicht hat mir das Lustige gefehlt. Aber als ich Eminem’s Video zu „My Name Is“ sah, war ich begeistert. Rap muss für mich humorvoll und verrückt sein. 2005 habe ich dann angefangen, Beats zu machen, und ein Jahr später auch gerappt.

Das Besondere an Rap ist für mich, dass es viele verschiedene Sparten gibt. Es ist für jeden etwas dabei. Es gibt Straßen-Rap, Battle-Rap und so weiter. Außerdem ist Rap wie Sport. Es geht darum, immer besser zu werden. Und ich schätze die künstlerische Freiheit, die man im Rap hat. Das kommt der Art von Rap, die ich bei „Dick & Doof“ mache, sehr zugute, da es in unseren Texten auch mal unter die Gürtellinie geht. Übrigens: Gerade ist unsere neue EP „Bösewichte“ als kostenloser Download auf unserer Facebookseite erschienen.



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