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Pianist Claus Debusman ist der Mann mit den roten Schuhen

Eine Musikerkarriere zwischen Traum und Trauma

HAMELN. Claus Debusman ist groß, trägt schulterlanges weißes Haar und ist makellos gekleidet: braunes Jackett, schwarzes Hemd, helle Stoffhose, alles sitzt wie angegossen, und – natürlich – rote Lederschuhe. Wenn Mr. Red Shoes spricht, dann fällt öfter mal ein englisches Wort, „trademark“ zum Beispiel, manche deutschen Wörter spricht der 62-Jährige hingegen lang und breit wie mit englischem Akzent aus. Im Foyer des Hotel Mercure sitzt Debusman in einem Sessel und bestellt einen Kaffee. Der Musiker, der als Bordpianist auf den sieben Weltmeeren zu Hause ist, ist mal wieder in seiner Heimatstadt zu Besuch.

veröffentlicht am 11.03.2019 um 16:04 Uhr
aktualisiert am 13.03.2019 um 15:59 Uhr

Claus Debusman in Aktion: nicht nur Klavierspieler, sondern auch Entertainer. Foto: C. Debusman/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Es gab Zeiten, da spielte er im damaligen West-Berlin vier Mal die Woche in ausverkauftem Haus, erzählt der einstige Hamelner. In den frühen 80er Jahren war das, da war Debusman gerade um die 30. Nena stürmte die Charts, die Neue Deutsche Welle dominierte die Pop-Kultur und Claus Debusman war mittendrin. „Das war die schönste Zeit“, sagt er. Als Supportact stimmte der Pianist das Publikum auf Musiker wie Jerry Lee Lewis, Chuck Berry oder Little Richard ein. Aber davor gab es ein Leben in Hameln.

Claus Debusman wuchs an der Spittastraße im Klütviertel auf. Dort wohnte er unter dem Dach. „In der Mansarde durfte ich fast alles“, sagt er. „Meine Erziehung war ziemlich freimütig.“ An den Wochenenden fuhr er mit seinen Freunden zur Funzel, einer Disco in Aerzen.

Die Musik wird Debusman in die Wiege gelegt. Sein Vater sei großer Fan des ungarischen Komponisten Franz Liszt gewesen. „Mein Vater hatte alles von ihm“, erzählt Debusman. Ihm hat er es zu verdanken, dass er mit neun Jahren anfing, Klavier zu spielen. Er und sein Vater, sie hätten sich nahegestanden. „Wir haben viel zusammen über Musik geredet“, erzählt er, „überhaupt haben wir gut miteinander geredet.“ Manchmal auch bei einem Glas Whiskey. Eine weitere gemeinsame Liebe neben der Musik: die Kirschblüte auf der Ottensteiner Hochebene.

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Claus Debusman mit einem Plakat seiner Band Dr. Bottle & The Export. Foto: wal

Sein Musiklehrer, ein Herr Engels vom Schiller-Gymnasium, habe ihn dann zum Jazz gebracht und vor allem an den großen Jazz-Pianisten Oscar Peterson herangeführt. Bei seiner Musiklehrerin, Ilse Wolf, habe Debusman erste Hauskonzerte gegeben. Während des Unterrichts habe er stets fünf Minuten lang frei spielen dürfen, bevor es wieder mit „Bach“ weiterging.

In seiner Freizeit gründete Debusman eigene Bands mit wechselnden Namen wie „Dr. Bottle & The Export“. „Wir haben uns mehr getraut als andere Bands“, sagt er über diese Zeit. Beruflich begann er nach dem Abitur eine Ausbildung zum Buchhändler bei „Matthias“. Aber dann hielt es ihn doch nicht mehr in Hameln, 1979 zog es ihn in die Großstadt. „Studiere Musik und geh nach Berlin!“, habe ihm Lehrer Engels gesagt. „Er hat meine Zukunft am Klavier gesehen.“

In seiner wilden Zeit im Westen Berlins habe er sich eines Tages die roten Schuhe als Markenzeichen zugelegt, als „trademark“, wie er sagt. Heute hat er 62 Paar. Alle rot, wohlgemerkt. Und 24 Anzüge. Und obwohl er in Berlin auch eine eigene Band hatte, eine Single oder ein Album habe er nie veröffentlicht – abgesehen von einigen Kompositionen musikalischer Landschaftsbeschreibungen wie etwa die „SEErenaden“. „Jeder hat immer den Hit gesucht, aber ich habe nie Hits gemacht“, sagt er. „Für mich sind es zwar welche, aber ich lag nie im Trend, sondern war immer special. Aber das macht es auch interessant.“ Seine Musik beschreibt er als „kulturelles Design“, das von „virtuosem Klavierspiel“ geprägt sei.

Irgendwann wurde er nach einem seiner Auftritte in Berlin gefragt, ob er sich vorstellen könne, auf einem Kreuzfahrtschiff, der MS Europa, zu spielen. – „Ich? Mit meiner Musik? Natürlich nicht“, gibt er seine Reaktion wieder. Seine Vorstellung sei von „furchtbaren Klischeebildern“ geprägt gewesen. Aber nach der dritten Nachfrage gab er dann doch nach. „Seitdem haben mich die Kreuzfahrten nie wieder losgelassen“, sagt er.

Eines Tages, erzählt er, kam nach einem Konzert ein „black guy“ auf ihn zu und habe auf Englisch gesagt: „Mr. Debusman? Das klingt nicht nach Rock’n’Roll. Du bist Mr. Red Shoes!“ So kam Claus Debusman zu seinem Künstlernamen, den er bis heute trägt. Seine Musikerkarriere sei von „Traum und Trauma“ geprägt gewesen. Mancher Traum platzte , der Sprung auf die große Bühne, für den auch immer das nötige Quäntchen Glück gehört, blieb aus. Dafür hat er inzwischen alle Meere der Welt bereist. In wenigen Tagen sticht Debusman schon wieder in See. Dann geht es – mal wieder – nach Kuba.

Seinen Wohnsitz hat Debusman heute in Düsseldorf. Aber nach Hameln zieht es ihn immer wieder zurück. Hier leben seine Schwester und viele alte Freunde und Musikerkollegen. Immer mal wieder ist er dann auch auf der Bühne des Lalu im Hefehof zu sehen. Und vor allem zu hören.



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