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Nicht auf der Höhe der Zeit

B-Tight-Konzert offenbart das schwierige Verhältnis der Sumpfe zu Hip-Hop

HAMELN. Mit Hip-Hop hat sich die Sumpfe schon immer schwergetan. Rap an den Discoabenden von einst im Saal? Fehlanzeige. Und die Rap-Konzerte in der 40-jährigen Geschichte der Sumpfblume lassen sich gefühlt an zwei Händen abzählen. Aber ausgerechnet an B-Promi-Rapper B-Tight hat die Sumpfe nun einen Narren gefressen. Warum auch immer.

veröffentlicht am 04.10.2019 um 11:59 Uhr
aktualisiert am 07.10.2019 um 09:29 Uhr

Philipp Killmann

Autor

Reporter zur Autorenseite

B-Tight alias Bobby Dick hat an der Seite von Sido zwar durchaus an einem bedeutsamen Kapitel der deutschen Rap-Geschichte mitgeschrieben. Aber spätestens nach der bis Ende der Nullerjahre währenden Aggro-Berlin-Ära hat er keinerlei nennenswerte Akzente mehr gesetzt. Gleichwohl scheint es ihm gelungen zu sein, sich ein eigenes solides Standbein aufzubauen mit einer Fanbase, die ihm die Treue hält.

Doch seine Glanzzeit liegt Lichtjahre hinter ihm, in der deutschen Rap-Landschaft ist B-Tight schon lange nicht mehr von Relevanz. So war es wenig überraschend, dass er schon zu seinem ersten Konzert in der Sumpfblume vor einem Jahr nur 60 Besucher hinterm Ofen hervorlockte. Dessen ungeachtet stand er jetzt am Donnerstag schon wieder auf der Sumpfe-Bühne. Vor der sich dieses Mal denn auch nur noch rund 40 eingefleischte Fans einfanden. Die kamen immerhin auf ihre Kosten: mit von Bobby geschmissenen Jägermeister-Runden und einem gut zweistündigen Programm, wenn auch die zum Ende hin gespielten Hits wie „Der Neger“ aus Aggro-Berlin-Zeiten am meisten zu begeistern schienen.

Nun sind Rap-Konzerte nicht für hohe Soundqualität bekannt. Die gelingt den wenigsten. Häufig verkommen die Beats live zu einem schwammigen Brei, nur selten sind die Texte zu verstehen. Da hoben sich Profi B-Tight, Back-up-Rapper Monzy und DJ Druckwelle kaum von der Vorgruppe ab. Die bestand aus der hoffnungsvollen Hamelner Crew „317 Original“. Mit ihr hatte die Sumpfe dann auch das richtige Hip-Hop-Händchen bewiesen: Elluess, Harzweia und Tibe stehen für einen Rap auf der Höhe der Zeit. Die Kehrseite: Für die fünf Tracks, die die Hamelner, die sich 2019 schon mehrmals als Publikumsmagneten erwiesen, zum Einheizen spielen durften, war dieses Mal nur der härteste Kern ihrer Anhängerschaft, ein gutes Dutzend, bereit, den 20 Euro teuren Eintrittspreis für das Konzert von B-Tight zu berappen.

317 Original: Harzweia (v. li.), Elluess und Tibe. Foto: pk

Andere Rapper haben da heute sicherlich ungleich größeres Potenzial, Publikum anzuziehen. Die Prezidents, Fatonis, Haiytis, Antilopen, OG Keemos, Orsons, LGoonys, Negromans, Mädnesses, Dölls, 102 Boyz und wie sie alle heißen, die heute im Rap-Spiel tonangebend sind. Die Zeiten, sie ändern sich schließlich. Und so besteht Hoffnung, dass auch Hip-Hop eines Tages doch noch seinen Platz in der Sumpfblume finden wird.



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