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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 20.08.2021 um 21:52 Uhr

Leserbrief

Zeit genug zum Ausfliegen der Ortskräfte hätte man gehabt

Zu: „Todesangst in Kabul“, vom 17. August

Die jetzt sterbenden Hilfskräfte der Bundeswehr oder die der Hilfsorganisationen sind die Toten der Bundesregierung. Sicherlich bringt keine Bundesregierung eigenhändig Leute um. Der gesamte Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ist zu hinterfragen – wieso eigentlich unsere Regierungen so unendlich naiv waren zu glauben, dass unsere Werte einfach auf Afghanistan übertragen werden können.

So eine eklatante Fehleinschätzung zeugt von unfähigen Politikern, und hiermit meine ich nicht die nachgeordneten Mitarbeiter, sondern die Spitzen der Bundesregierung. Schon den selten dämlichen Spruch seinerzeit von Peter Struck, der darin gipfelte, dass Deutschland am Hindukusch verteidigt wird, hielt ich für völlig unpassend. Aber was jetzt passiert, ist unfassbar und an Unvermögen nicht mehr zu unterbieten.

Seit der US-Präsident gesagt hat, dass sich die amerikanischen Soldaten aus Afghanistan zurückziehen und somit die Nato ebenfalls, war eigentlich klar, dass die Taliban wieder die Herrschaft übernehmen. 20 Jahre Aufbauarbeit, zig Milliarden Euro und 53 gefallene deutsche Soldaten. Für was eigentlich? Im Juni 2021 endete der Abzug der Bundeswehr, also hätte man schon 2020 alle ehemaligen Ortskräfte, die die Bundeswehr oder auch andere Hilfsorganisationen unterstützt haben, kontaktieren müssen, um festzustellen, welche der Hilfskräfte Afghanistan mit ihren Familien verlassen wollen, damit sie frühzeitig ausgeflogen werden. Zeit genug hätte man gehabt, um die Evakuierung durchzuführen. Hier kann man sich doch nicht auf einen langwierigen Formularkrieg einlassen, zumal ja eigentlich von allen Hilfskräften alle Personendaten vorlagen. Wenn keine gültigen Reisedokumente vorliegen, hätte man vorläufige Ersatzpapiere ausstellen können. Es würde alles verdammt einfach gehen.

In Zukunft werden sich bei einem Auslandseinsatz wohl kaum noch Ortskräfte finden, die bereit sind, für die Bundeswehr zu arbeiten, denn die Bundeswehr ist ein unzuverlässiger Arbeitgeber. Gott schütze uns vor so unfähigen Politikern wie Außenminister Maas, Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Innenminister Seehofer.