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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 27.07.2015 um 06:00 Uhr

Wir haben es in der Hand

Zu: „Wahnsinn auf den Straßen“, vom 20. Juli

Leider scheint es in Hameln keine erkennbare Strategie zu geben, der Raserei auf den Straßen irgendetwas entgegenzusetzen. Ich bezweifle grundsätzlich, dass überhaupt ein wirklicher Wille dazu existiert. Im Gegenteil, wenn man insbesondere an Wochenenden in Klein Berkel auf Balkon oder Terrasse sitzt, weiß man aufgrund der zum Teil über Stunden anhaltenden „Geräuschkulisse“ aus quietschenden Reifen und heulenden Motoren sofort, dass die Raser wieder ausgelassen und vor allem völlig ungestört auf der B 1 ihr Unwesen treiben. Wer das einmal bei dem Versuch, die B 1 in der Dunkelheit über die Fußgängerampel an der Böcklerstraße zu überqueren, selbst erlebt hat, wird sich vermutlich genau wie ich fragen, wieso es „nur“ alle paar Wochen Tote im Landkreis gibt? Aber vermutlich ist diesen Leuten durch Polizeipräsenz oder Blitzen sowieso nicht beizukommen, da sie aufgrund ihrer Vernetzung ohnehin wissen, wo die Luft rein ist und wo nicht. Wenn man also irgendetwas dagegen unternehmen möchte, läuft es auf die effektivste Art und Weise hinaus, die jedem einzelnen zur Verfügung steht: Mit unserem eigenen Verhalten, das wir – die „Erwachsenen“ – im Straßenverkehr an den Tag legen, entscheiden wir auch maßgeblich mit darüber, in welche Richtung sich unsere Kinder entwickeln werden. Insofern kann ich nur alle Eltern dazu ermutigen, darüber nachzudenken, ob jedes Tempo-70-Schild automatisch bedeutet, dass man hier mit dem begeisterten „Vettel Junior“ auf der Rückbank ja eigentlich auch 100 fahren darf oder ob man die Anziehungskraft des Autos bei Kindern schon frühzeitig so sehr manifestieren sollte, indem man sie jeden Tag auch nur die wenigen hundert Meter zur Schule karrt. Im Übrigen sind es die chauffierenden Eltern selbst, die die gefährlichen Situationen verursachen, vor denen sie ihre Kinder schützen möchten. Aber das ist noch ein anderes Thema.

Kai Mehrländer, Hameln