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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 26.07.2021 um 09:57 Uhr

Was muss es noch für Katastrophen geben?

Zu: „Unwetter: Mehr als 100 Tote“, vom 17. Juli


Schockierende Verwüstungen durch Wasser zeigen die Bilder der Berichterstattung aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen und die Betroffenheit ist groß, es macht mich sehr traurig. Folge des Klimawandels und der Tätigkeit der Menschen, „man-made“. Da ich selbst am Rhein aufgewachsen bin, kenne ich die Gegend recht gut und verfolgte schon seit Langem den Wandel, den Veränderungen der Landschaft besonders durch Bautätigkeiten in diesen sehr dicht bevölkerten Regionen. Es kommt vieles zusammen: 1. Vermehrte Bautätigkeiten und damit Versiegelung von Böden. Gerade in Köln ist mir aufgefallen, wieviele kleine Vorgärten gepflastert sind, weil ein hoher Bedarf an Pkw-Stellflächen vorhanden ist. Es fehlen Vorgaben zur verstärkten Nutzung von wassergebundenen Decken, Öko-Pflastern, weiten Fugen, um die Wasserdurchlässigkeit in allen besiedelten Bereichen, besonders auch in Gewerbegebieten zu erhöhen. 2. Der Braunkohle-Abbau und die Grundwasserabsenkungen in Folge spielen eine große Rolle in der Region und haben den Wasserhaushalt der Region verändert. Wälder und Bäume sind dadurch besonders getroffen und anfällig. 3. Es gibt zu wenig Wasserretentionsflächen aufgrund der Nutzungsintensität. Auch die landwirtschaftlichen Flächen sind oft durch Verdichtungshorizonte im Unterboden aufgrund der Maschinentätigkeiten nicht mehr in dem Maße wasseraufnahmefähig, wie es bei ökologischer Bewirtschaftung wäre.

Das Traurige ist: Diese Problematik ist bekannt und seit Jahrzehnten beschrieben. Dafür gibt es ja auch zum Beispiel Behörden wie die Bundesanstalt für Gewässerkunde mit ihren Forschungen. Aber so lange Wirtschafts- und Eigeninteressen die politischen Entscheidungen prägen und dem Naturhaushalt eine nur untergeordnete Rolle spielen lassen, wird sich so schnell nichts ändern. Was muss es noch für Katastrophen geben, um ein Umdenken zu bewirken? Ich bin neulich über Land von Coppenbrügge nach Brandenburg gefahren und besonders ist mir aufgefallen, wie in vielen Bereichen noch schöne Baumbestände auf unversiegelten Flächen auch im Siedlungsbereich zu sehen sind… Da ist der Unterschied signifikant. Liebe zu Bäumen und zum Wasser sind die Basis für ein gedeihliches Miteinander von Mensch und Natur.