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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 04.10.2021 um 11:14 Uhr

Vorschriften ohne Ende

Zu: „Die Verfahren sind extrem detailreich“, vom 14. September


Die Verfahren sind nicht nur im Fall Tennet extrem detailreich, sondern in nahezu allen administrativen Vorgängen. Erschwerend kommt hinzu, dass allzu oft auch noch teurer Unsinn dabei herauskommt, wie nicht nur durch den Mautskandal und den Berliner Flughafen bewiesen ist. Nach meinem Kenntnisstand gibt es keinen anderen Staat, der sich mit so vielen Gesetzen, Vorschriften und Regelungen selbst fesselt.

Das gilt in der Anzahl auch für Medikamente, denn es gibt hierzulande 100 314 zugelassene Arzneimittel, wie man mit Google recherchieren kann. Besteht da etwa ein Zusammenhang? Wo in Deutschland alles bis ins letzte Detail – häufig bis zum völligen Blödsinn – geregelt werden muss, wird in anderen Regionen einfach gemacht. Man schaue nur, wie beispielsweise China oder die Emirate locker an uns vorbeiziehen. Sicherlich ist dort in vielerlei Hinsicht längst nicht alles gut, doch es geht zumindest wirtschaftlich schneller voran, während bei uns jedes Grüppchen viele wichtigen Vorhaben zumindest für Jahre stoppen kann – oft aus rein egoistischen Gründen.

Nationale Unterschiede findet man satirisch auch in einem schon uralten Witz: Ein Franzose, ein Italiener und ein Deutscher fallen hin, ohne sich zu verletzen. Der Franzose steht auf und geht weiter. Der Italiener steht ebenfalls auf, klopft aber seine Hose sauber, bevor er weitergeht. Der Deutsche bleibt liegen und überlegt krampfhaft, wen er mit welchen Gesetzen für seinen Sturz verantwortlich machen kann. Es würde mich nicht wundern, wenn es in naher Zukunft auch verbindliche Vorschriften für das Annähen eines Hemdknopfes gibt, denn die Gefahr eines Stichs in den Finger ist durchaus gegeben.