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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 12.03.2021 um 14:21 Uhr

Zu: „Blutbuche kämpft ums Überleben“, vom 24. Februar

Vorgaben müssten gerechter definiert sein

Nach meiner Meinung könnten die genannten Streitigkeiten wegen zu üppigen Baumwuchs im Grundstücksgrenzbereich nahezu vermieden werden, wenn die Vorgabe im Niedersächsischen Nachbarrechtsgesetz gerechter definiert wären. Die Grenzabstände für Bäume in Abhängigkeit zu deren Höhe sind im Gesetz eindeutig definiert. So soll zum Beispiel der Grenzabstand bei einer Baumhöhe bis zu 15 Meter mindestens drei Meter betragen.

Das Problem beziehungsweise die Ungerechtigkeit für den Grundstückseigentümer mit üppigem Baumwuchs beim Nachbarn liegt meines Erachtens in der Kontrolle des Einhaltens der Baumhöhe sowie dem Anspruch auf Zurückschneiden derselben auf das zulässige Maß. Überwachen und Kontrollieren muss beim Überschreiten der jeweiligen Baumhöhe nämlich derjenige, auf dessen Grundstück die Bäume überhaupt nicht gewachsen sind.

Wie diese Kontrolle ohne Betreten des fremden Grundstücks und ohne entsprechende Messmöglichkeit realisierbar sein soll, darüber wird im Gesetzestext nichts gesagt. Wenn der benachteiligte Nachbar nicht spätestens fünf Jahre nach dem Überschreiten der jeweiligen Baumhöhe Klage erhebt, kann der Baum so hoch (und damit auch breit) wachsen, wie es dem Eigentümer gefällt.

Das Ergebnis zeigt sich im geschilderten Fall, wo auch die grenzüberragenden Äste sich störend oder sogar gefährdend auswirken. Das seitliche Zurückschneiden bis auf die Grenzhöhe ist im Gesetz ebenfalls geregelt, sodass sich mit gutem Willen auch im vorliegenden Fall eine Lösung des Problems finden lassen sollte.

Warum es auf bebauten Grundstücken so viele sehr große Bäume gibt, ist für mich durchaus nachvollziehbar. Erstens versäumt der Nachbar häufig das rechtzeitige Einreichen einer Klage und zweitens scheuen sich die Eigentümer der großen Bäume vor den nicht zu unterschätzenden hohen Kosten einer gefahrlosen, fachgerechten Fällung und Beseitigung der üppigen Bäume.