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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 28.05.2020 um 23:29 Uhr

Schlachthöfe

Veterinärbehörden haben zu wenig Personal

Zu: „Fast alle Schlachthöfe mangelhaft“, vom 5. Mai
Die überraschend zahlreichen, unangekündigten Kontrollen in Schlachtstätten durch die Veterinärämter wurden durch die „Undercover“-Recherchen der Tierrechtsorganisationen ARIWA und Deutsches Tierschutzbüro ausgelöst, deren Aktionen zuvor gerichtlich als gerechtfertigt beurteilt wurden. Tierschützer forderten in der Vergangenheit immer wieder solche Überprüfungen.

Während meiner Mitarbeit in der Tierschutzkommission des Bundeslandwirtschaftsministeriums wies ich im Zusammenhang mit Gesetzes- und Verordnungsvorlagen stets darauf hin, dass auf die zuständigen Veterinärbehörden, die für Lebensmittelhygiene und Tierschutz zuständig sind, neue Belastungen zukämen und diese deshalb unbedingt personell besser ausgestattet werden müssten. Dies wurde aber von den Ländern offenbar für unnötig gehalten, was dazu führte, dass sich die zuständigen Mitarbeiter*innen nach dem Motto „Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen/ tun“ wehrten.

Von Studenten der Veterinärmedizin hörte ich bei Fachkongressen immer wieder, dass sie sich nach ihrem Praktikum auf Schlachthöfen entschlossen hätten, später weder auf Schlachthöfen noch im Bereich der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung arbeiten zu wollen, weil sie dies nicht mit ihrem Ethos vereinbaren könnten. Merkwürdig ist, dass tierschutzrelevante Befunde angeblich vorwiegend kleinere und mittlere Schlachtstätten betrafen, nicht aber Großbetriebe. Bei den meisten großen Schweine-Schlachthöfen wird die EU-weit zugelassene CO2-Betäubung angewendet, die vom Prinzip her die denkbar tierquälerischste Methode ist. Spätestens seit dem Schlachttechnologie-Workshop 2003 in der Bundesanstalt für Fleischforschung in Kulmbach (heute Max-Rubner-Institut) ist durch Videoaufnahmen von Frau Dr. Ulrike Machold bewiesen, dass die Tiere 20 bis 25 Sekunden unter extremsten Erstickungs- und Todesängsten leiden und sich bei ihren verzweifelten Fluchtversuchen sogar überschlagen, wenn die Konstruktion der Betäubungsgondel dies noch zulässt. Nach dem Referat herrschte sogar bei den Vertretern der Schlachtindustrie zunächst Betroffenheit. Sie rechtfertigten das Verfahren jedoch dann damit, dass auf diese Weise größere Schlachtzahlen möglich seien und eine Vorbetäubung mit Argon nicht nur zu teuer sei, sondern auch zu Blutflecken im Fleisch führen könne.

Weitaus tierschonender ist dagegen die unter menschlicher Kontrolle computergesteuert durchgeführte automatische Elektrobetäubung, bei der die Schweine in weniger als einer halben Sekunde das Bewusstsein verlieren. Leider wird dieses Verfahren nur von wenigen Schlachtbetrieben angewendet.

Wer stabile Nerven hat, kann sich dieses Video ansehen: https://www.peta.de/CO2BetaeubungSchweine. Ich empfehle allen Verbrauchern, sich beim Metzger darüber zu informieren, von welchem Schlachthof das Schweinefleisch kommt und wie dort betäubt wird.