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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 24.09.2019 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 24.10.2019 um 15:14 Uhr

"Trotzverhalten eines Kleinkindes"

Zu: „Ehrenmalschändung kein Fall für Staatsschutz“, vom 21. August
Am 17. Mai 1936 weiht der SA-Stabschef Lutze das Heldendenkmal in Bad Pyrmont auf dem Schlossplatz ein. Zum Volkstrauertag 2018 versammelt „Kriegsgräber-Repräsentant“ Helmut Eichmann vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seine Schäfchen um sich (Stadt, Politik, Kirche, Gäste aus nah und fern) und lässt die gar nicht so ehrenhafte Nazi-Vergangenheit am Ehrenmal mit schönen Reden auferstehen

Autor: Uwe Schmiedecke, Bad Pyrmont

Der selbst ernannte Friedensapostel Eichmann steht vor seinem Unrechtsdenkmal und legt sich mächtig ins Zeug: „Wir (wer?) gedenken der Toten, der Kriegstoten, und die Tatsache, dass so viele Menschen gestorben sind, muss uns dazu bewegen, dass wir für den Frieden eintreten, dass wir gegen den Krieg sind ...". Dürftig! Phrasendrescherei! Nach der Verrichtung des Volkstrauerns, ein paar Wochen später, fehlen am Denkmal zwei Kränze. Ein anonymer feiger Rowdy hat sie genommen und auf das Eis der benachbarten Schlossgraft geworfen. War sie/er betrunken? Fanatisch? Wir es nicht. Umgehend erstattet Herr Eichmann Anzeige bei der Pyrmonter Polizei Störung der Totenruhe (Strafgesetzbuch, Paragraph 168, 1 bis 3), obwohl es die gestörten Toten gar nicht gibt! Mit hanebüchenem Trotzverhalten eines Kleinkindes, das nicht das bekommt, was es will, klagt Eichmann erfolglos dem Staatsschutz sein Leid: „Bei anderen Denkmälern wird ein deutlich strengerer Maßstab angelegt, das ist einfach skandalös." Eichmann ist aufgebracht, denn die Bearbeitung durch den Staatsschutz hätte ihm selbst „eine ganz andere Relevanz“ (Aufmerksamkeit) beschert. Aufgebracht ist auch das SPD-Mitglied Ulrich Watermann: „…respektlosen Umgang mit unserem Ehrenmahnmal (...) bin ich zutiefst erschüttert". Unserem? George Bernard Shaw weiß Rat: „Je mehr ein Mensch sich schämt, desto anständiger wird er." Vier übergroße Steinsoldaten blicken hinunter auf einen vom Gram gebeugten Helmut Eichmann, der ihnen Respekt zollt  „im Kampf ... gegen alle Gegner Welt". „Vier Soldaten versinnlichen das opferbereite Deutschland". Opferbereit? „Nach Norden schaut der Landsturmmann; nach Osten gewandt ist der Landwehrmann; nach Westen der aktive Soldat; nach Süden, das Gesicht zur Sonne  gerichtet, blickt der Freiwillige!" Grimmig! Eine skurrile Botschaft aus dem Jenseits: „Drum die ihr uns liebt nicht geweint und geklagt das Land ist ja frei und der Morgen tagt wenn wir‘s auch nur sterbend gewannen". Und aus dem Diesseits: „Euer Sterben unser Leben". Oder: „Es starben für Deutschland". Immanuel Kant an die Volkstrauernden: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“.