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Leserbrief

veröffentlicht am 29.03.2021 um 12:11 Uhr

Zu: „,Moralisch verwerflich‘“, und zu: „Falsche Adresse“, vom 12. März

Treibjagd auf Einzelne ist ein Ablenkungsmanöver

Der Volkszorn kocht weiterhin. Jetzt hat sich auch noch (mit großer, zeitlicher Verzögerung) unser Landrat zu einer moralischen Verurteilung („moralisch verwerflich“) genötigt gefühlt.

Verfasser:

Abgesehen davon, dass in Einzelfällen Menschen vielleicht unangemessen ihre privilegierte Stellung ausgenutzt haben, fand und findet meines Erachtens eine regelrechte öffentliche „Hinrichtung“ von Personen statt, weil sie als sogenannte Impfdrängler die gesellschaftliche Solidarität und Moral zerstört hätten. Welche Solidarität und Moral? Diese Treibjagd auf Einzelne (ohne Rücksicht auf seelische Verletzungen), perfekt medial ausgeschlachtet, ist ein in meinen Augen wenig überzeugendes Ablenkungsmanöver bezüglich der Fehler der wahren Verantwortlichen.

Wer monatelang Panik schürt (ohne durchaus bezahlbare Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu ergreifen – die Rettung der Lufthansa e. a. scheint dabei wichtiger) und dann ein angebliches, aber offensichtlich oft unzureichend erprobtes Allheilmittel wie die rettende Erlösung der total verunsicherten Bevölkerung präsentiert, der darf sich nicht wundern, dass Zorn entsteht, wenn die Wundermittel nicht angemessen zur Verfügung stehen.

Wer dann aber noch hinnimmt und gegebenenfalls medial befeuern lässt, dass sich der Volkszorn eher auf wenige „Drängler“ konzentriert statt auf die wirklich Verantwortlichen in Politik und bei Big Pharma, der es wesentlich nur ums Geldverdienen mit einem Mangelprodukt geht, der muss sich fragen lassen, wer hier eigentlich moralisch verwerflich agiert.

Ich hoffe nur, dass viele Menschen diesen Schachzug durchschauen und erkennen, was offensichtlich überforderte oder beratungsresistente Verantwortliche verursacht haben, auch wenn Moderatoren wie Markus Lanz nicht müde werden, einzelne Impfdrängler als zerstörerische Kriminelle in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig für Astrazeneca zu werben.

Anstatt endlich alte und pflegebedürftige Menschen wirksam zu schützen (vor allem auch durch besser bezahltes Pflegepersonal) und allen Kindern, deren Probleme viele immer noch nicht ernst genug zu nehmen scheinen, eine mental und physisch angemessene Perspektive (durch geregelten Unterricht für alle in zum Beispiel mit Luftfiltern und Plexiglasschutzscheiben ausgestatteten Klassenräumen, allen verfügbare Tablets, verstärkten Sportunterricht etc.) zu ermöglichen, wird weiterhin mit der Bazooka gerade auch auf Kultur, Gastronomie und Bildung geschossen und der Shutdown perpetuiert, dessen Wirksamkeit gottlob zunehmend in Frage gestellt wird. Das ist vorausschauende Zukunftspolitik „made in Germany“ im 21. Jahrhundert.



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