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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 29.05.2020 um 21:32 Uhr

Tendenziöser Bericht

Todesursache bleibt Spekulation

Zu: „Woran starb der Rotmilan“, vom 26. Mai
Umweltfreundliche Energiegewinnung, Lärmbelästigung oder eben Vogelsterben. Debatten über Windkraftanlagen gibt es viele, und fast immer werden sie subjektiv geführt. Neu ist, dass sich anscheinend auch die Dewezet in den Kanon der Meinungsmacher einreiht.

Die Sachlage: Unweit der Emmerthaler Windkraftanlagen findet ein Jäger einen toten Rotmilan, informiert darüber die Bürgerinitiative „Keine Windkraft im Emmertal“ und diese schreibt in Person von Herrn Stallmann eine E-Mail an die Umweltbehörde des Landkreises, in der die Rotoren verantwortlich gemacht werden. So weit, so unwichtig. Denn: Der Vogel ist (noch) nicht obduziert worden – woran er verendet ist, bleibt bis dato Spekulation. Diesen Fakt vermeldet die Dewezet auch so. Wo es aber bestenfalls bei einer einspaltigen Notiz hätte bleiben sollen, da walzt es die Lokalzeitung zu einem halbseitigen Beitrag aus. Tendenz: Die Windkraftanlagen sind nicht schuld am Tod des Tieres. Die Meinung des Autors wird deutlich, wenn er unter anderem schreibt, auch einen Gifttod von Greifvögeln habe es „schon mehr als einmal gegeben“. Dass der Journalist nach wörtlicher Zitation von Stallmanns E-Mail noch seine eigene Interpretation des Stils („ultimativ-fordernd“) hinterherschiebt, hat tendenziösen Charakter und nichts mit Objektivität zu tun. Weiter: Zitatgeber jedweder Couleur zu finden und der Gegenseite (hier in Gestalt des Marburger Professors) voreilige Schlüsse in den Mund zu schieben, könnte einem Rhetorik-Ratgeber entstammen. Wohlgemerkt: Ich habe nichts gegen Windenergie – wohl aber gegen tendenziöse Berichte.