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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 07.03.2021 um 18:08 Uhr

Zu: „Schicksal des Bismarckturms ist besiegelt“, vom 16. Februar

Tafel sollte über Geschichte des Bismarckturms informieren

Jedermann wird Verständnis haben für die Entscheidung der Stadt, den Bismarckturm den Fledermäusen zu überlassen. Aber auch als Fledermausquartier bleibt der Turm ein Bauwerk, das öffentliches Interesse und bauliche Unterhaltung verdient.

Einem unbefangenen Betrachter erscheint der Turm als rätselhaftes, archaisches Bauwerk, geradezu als Fossil aus uralten Zeiten. Dabei ist der Bau gerade 111 Jahre alt und stammt aus den letzten Jahren des Deutschen Kaiserreiches.

Bismarcktürme zu bauen, war eine Idee der deutschen Studentenschaft, die damals sehr national dachte. Sie wollte ihre Verehrung für den ersten Reichskanzler des zweiten Deutschen Reiches zum Ausdruck bringen, dessen Gründung „mit „Blut und Eisen“ 1871 wesentlich auf Bismarck zurückgeht. Die Idee verbreitete sich rasch über Deutschland. Insgesamt wurden in Deutschland 184 Bismarcktürme errichtet. Auf den Türmen waren große Schalen montiert, auf denen zu Bismarcks Geburtstag am 1. April Feuer ins Land loderten.

Träger der Idee war in Hameln das konservative Bürgertum, dem das höchst ungerechte preußische Dreiklassenwahlrecht die Mehrheit im Stadtparlament sicherte. Dabei war in Hameln längst die Arbeiterschaft zur zahlenmäßig größten Schicht erstarkt. Die deutsche Gesellschaft stand damals unter dem Primat des Militärischen.

Große Teile des Bürgertums eiferten dem Adel nach. Die Nation baute auf Gehorsam, Pflicht und Männlichkeit. Das Hamelner Bürgertum begeisterte sich an „vaterländischen“ Festen. Für den Bau, der durch Spenden finanziert werden musste, gründete sich in Hameln 1901 ein Kreis aus konservativem Bürgertum, Handwerkerschaft, Adel und Landwirtschaft. Die Arbeiterschaft war zu Spenden weder gewillt noch in der Lage.

Das zahlenmäßig geringe „freisinnige“ Bürgertum stand dem Vorhaben eher ablehnend gegenüber. In den Spendenlisten finden sich auch keine jüdischen Namen. Als Architekt gewann man den bekannten Baumeister Wilhelm Kreis. Dieser baute nach seinem Entwurf „Götterdämmerung“ wuchtige „Feuersäulen“ in Serie, insgesamt 47. Bis zur Grundsteinlegung am 12. August 1909 dauerte es fast zehn Jahre. Doch noch reichte das Geld nicht aus. So musste der Architekt die Säule von 15 auf 13 Meter verkürzen.

Bei der „Weihe“ am 95. Geburtstag Bismarcks am 1. April 1910 stieg zum ersten Male aus der Feuerschale „die lohende Flamme“ auf. Wir wissen nicht, wie oft in der Folge das Feuer in der Schale des Turmes entfacht wurde. Von der „Weihe“ waren es nur noch vier Jahre bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs.

Auf die „Blutpumpe“ von Verdun folgte der Völkermord im Zweiten Weltkrieg. Der Geist des Bismarckturmes kann nicht als Vorbild für die heutige Zeit dienen. Aber die Erinnerung an den langen Weg, den Deutschland seitdem gegangen ist, muss wach gehalten werden. Dafür steht der Turm mit seinem Namen. Nötig ist eine Tafel, die über seine Eigenart, seine Erbauer und den Träger des Namens informiert.