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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 02.07.2021 um 10:41 Uhr

Synergieeffekte nutzen

Zu: „Weserdorf Ohr ohne eigene Feuerwehr?“, vom 8. Juni


Die Freiwilligen Feuerwehren benötigen dringend neue Konzepte. Die Bereitstellung einer leistungsfähigen Feuerwehr gestaltet sich vor allem in kleineren Ortschaften immer häufiger als schwierig. Dafür gibt es diverse Gründe. Einerseits werden die Vorgaben für die Einsatz- und Rettungsmindestzeiten immer straffer geregelt und führen so zu den üblichen Arbeitszeiten zu Engpässen bei der Personalverfügbarkeit. Andererseits schrumpft der Personalbestand auch so schon stetig, weil das Ausscheiden älterer Einsatzkräfte nicht mehr durch den Vereinsbeitritt junger Leute kompensiert wird. Hier muss mal gesagt werden, dass die fachlichen Anforderungen und damit die Belastungen bei den Feuerwehren kontinuierlich gestiegen sind. Viele Gefahrenpotenziale erfordern eben für den Dienst auch eine immer spezifischer werdende Wissensgrundlage. Dessen ungeachtet ist aber leider eine Tendenz abnehmender Wertschätzung in der Öffentlichkeit unverkennbar.

Letztendlich ist die Feuerwehr eben auch nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Es wundert daher kaum noch, dass Kosten-Nutzen-Abwägungen selbst vor Feuerwehren und deren ehrenamtlicher Tätigkeit keinen Halt mehr machen. Tatsächlich rückt die Finanzierung der Feuerwehren immer mehr in den Fokus der Politik. Hintergrund sind die unaufhörlich steigenden Kosten für Ausrüstung, Bau, Sanierung und Betrieb der Feuerwehrhäuser. All das führt wiederum bei vielen örtlichen Feuerwehren zu Existenzsorgen. Es sind daher dringend neue Konzepte gefragt, die sowohl den Interessen der Feuerwehrleuten als auch den gesetzlichen Verpflichtungen des Brand- und Rettungsschutzes gerecht wird. Eine sinnvolle und zweckmäßige Lösung dafür kann die Zusammenlegung von Feuerwehren benachbarter Ortsteile und Dörfern sein. Wenngleich dies bis vor kurzem noch ein Tabu-Thema war, laufen dazu in einigen Ortschaften bereits Modellprojekte. Auf dem Prüfstand stehen sowohl Fusionen als auch Kooperationen, bei denen lediglich Feuerwehrhäuser und das Equipment gemeinsam genutzt werden. Im letzteren Fall behalten die einzelnen Wehren sogar ihre eigene Identität und auch alte Traditionen in den Dörfern gehen nicht verloren.

Vordringlich gilt es, Synergieeffekte so zu nutzen, dass es zu Einsparungen kommt und zudem die Einsatzfähigkeit der Feuerwehren gesteigert wird. Diese sogenannte Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) wird von der Politik als zukunftsweisend angesehen und entsprechend finanziell gefördert. Es ist also heute schon vorhersehbar, dass ein Weiterbestehen einzelner Feuerwehren im Wesentlichen von deren Kooperationsbereitschaft abhängen wird. Das erscheint auch gut so, zumal es allemal vernünftiger ist, wenn Feuerwehren einträchtig „zusammenwirken“ anstelle resigniert „aufzugeben“.