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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 07.05.2021 um 12:22 Uhr
aktualisiert am 07.05.2021 um 13:10 Uhr

Leserbrief

Sprachlosigkeit des Landrats ist nicht hinnehmbar

Zu: „Landkreis traut RKI-Zahlen nicht“, vom 30. April, und zu: „Sana entlässt Mitarbeiter“, vom 3. Mai
Was ist von einem Landrat zu halten, der seit Beginn der Pandemie durch weitgehende Abwesenheit geglänzt hat und dann so plötzlich wie der Springteufel um das erste Mai-Wochenende herum mit einer irritierenden Behauptung und einer nicht minder gewagten Entscheidung an die Öffentlichkeit tritt? So war vor jenem Wochenende zu vernehmen, dass der Landkreis den Zahlen des Robert-Koch-Instituts nicht traue und nach dem Wochenende, dass ab sofort die Maskenpflicht in der Hamelner Fußgängerzone und den Busbahnhöfen aufgehoben worden sei. Eine plausible, geschweige denn wissenschaftlich begründete Erklärung gab es bis jetzt in keinem Fall.

Auch eine sachgemäße Information der Öffentlichkeit erschien offenbar überflüssig. Ohne die Berichterstattung der Dewezet wäre es wohl bei Gerüchten und Mutmaßungen geblieben.

In einer Zeit, in der die dritte Welle noch längst nicht gebrochen ist, trägt der Landrat so zur Förderung von Verunsicherung, Ärger und Unlust in der Bevölkerung bei und untergräbt die Bereitschaft, die in den nächsten Monaten noch notwendigen Verhaltensregeln mitzutragen. Zugleich fördert er durch die willkürliche Aufhebung jeglicher Maskenpflicht im Innenstadtbereich und vor dem Bahnhof eine neuerliche Erhöhung des Infektionsrisikos.
Die Situation in den Krankenhäusern, besonders die seit mehr als einem Jahr anhaltende Dauerbelastung des Personals vor allem, aber nicht nur auf Intensivstationen, scheint dabei ohne Belang zu sein. So blieben ja auch die vom Sana-Konzern angekündigten Entlassungen, von denen auch die Hamelner Klinik betroffen ist, bis jetzt ohne Kommentar, obwohl der Landkreis nach wie vor einen Anteil von 49 Prozent hält.

Dass es dem Konzern darum geht, zur Freude der Aktionäre noch profitabler zu wirtschaften als zuvor, liegt ebenso auf der Hand wie die Tatsache, dass die Entlassung von Mitarbeitenden „nur“ im Service- und Logistikbereich auch zu Lasten des Personals in allen anderen medizinischen und nichtmedizinischen Bereichen geht, und das ganz besonders in einer krisenhaften Zeit, in der es in jedem Unternehmen mehr denn je auf ein reibungsloses Miteinander eingespielter Teams ankommt.

Das Amtsverständnis von Landrat Adomat mag ein Rätsel bleiben, aber seine Sprachlosigkeit und sein fehlendes aktives Engagement im Umgang mit der Pandemie ist nach meinem Amtsverständnis nicht hinnehmbar und gefährlich, nicht nur infektiologisch, sondern auch politisch. Schließlich geht es nicht nur darum, angemessen mit den vielfältigen Auswirkungen der Pandemie vor Ort umzugehen, sondern auch die Kraft und den Wert eines demokratischen Gemeinwesens erlebbar zu machen und Anerkennung und Respekt auch gegenüber den kommunalpolitischen Institutionen zu fördern.