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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 21.08.2020 um 23:12 Uhr

Setzen wir uns endlich sachlich auseinander

Zu: „Der Faktor Zeit“, vom 14. August

Der Artikel über den umstrittenen Standort des neuen Feuerwehrhauses in Bad Pyrmont macht mich betroffen und ratlos. Mit Recht wird darauf hingewiesen, dass der Streit schon einige Zeit schwelt und dass er kaum noch sachlich fundiert geführt wird. Und das kann man nicht ändern? Wirklich nicht?

Ursache dieses kaum noch zu beherrschenden Zwists sind die reichlich geschürten Emotionen, leider auch von einigen Feuerwehrleuten, die nun sogar ihren „Familienfrieden“ und „ihren Job aufs Spiel setzen“, um mich eventuell retten zu können! Ein solches Opfer möchte ich nicht verschulden. Kann ich dieses Opfer tatsächlich nur dadurch verhindern, dass ich – auch gegen meine Überzeugung – für den von der Feuerwehr favorisierten Standort bin? Muss man sich als ehrenamtlicher Feuerwehrmann zwangsläufig „in den Hintern getreten“ fühlen, wenn ich als mündige Bürgerin eine ergebnisoffene, transparente Diskussion erwarte, statt einer eiligen Beschlussfassung hinter verschlossenen Türen? Ich fühle mich genötigt, erpresst. Und das ist keine gute Grundlage für sachliche Entscheidungen. Dann kommen die Emotionen. Dann siegt die Polemik, und das eigentlich gemeinsame Ziel gerät aus dem Blick.

Ich vermisse in der Diskussion und in dem Artikel den Versuch einer rationalen und möglichst objektiven Betrachtung der notwendigen Entscheidungen. Ich vermisse die Wertschätzung der Kritiker, die nach meiner Einschätzung keineswegs eigene Interessen verfolgen, sondern sich um die Entwicklung der Stadt Sorgen machen. Und ein solches Motiv sollte auch von den Befürwortern des Standorts ernstgenommen werden. Ich vermisse die Darstellung der leider zum Teil komplizierten Fakten. Und die stehen im Feuerwehrbedarfsplan. Dieser stellt fest, dass der „Faktor Zeit“ aufgrund einer Computersimulation zustande gekommen ist. Er stellt auch fest, dass die Praxis in vielen Fällen von dieser idealtypischen Berechnung abweichen wird. Soll heißen: Es kann passieren, dass die Feuerwehr zu spät kommt, selbst wenn das Feuerwehrhaus eines Tages am Gondelteich stehen sollte.

Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten endlich merken, dass sie in demselben Boot sitzen, dass sie sich mit dem gebotenen Respekt begegnen, dass sie aufeinander zugehen müssen, damit eine gemeinsame, von einer Mehrheit akzeptierte Lösung gefunden werden kann. Setzen wir uns endlich sachlich über die Streitpunkte auseinander!