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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 19.01.2021 um 14:17 Uhr

Zu: „Allein in der Warteschleife“, vom 8. Januar

Pflegeversicherung wird außer Acht gelassen

Der eingehend Probleme der Impfung von nicht in Alten-/Pflegeeinrichtungen lebenden Senioren beleuchtende Beitrag berichtet anschaulich, dass viele Hochbetagte (Anmerkung des Unterzeichners: und nicht nur diese) Online und andere Terminvereinbarungen und die Anreise zum Impfzentrum nicht allein organisieren können.

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie fordere deshalb, dass „zügig Möglichkeiten geschaffen“ werden müssen, um die Senioren dabei zu unterstützen. Dabei wird, nicht zum ersten Mal, unsere gesetzliche Pflegeversicherung gänzlich außer Acht gelassen. Denn: Wer zum Personenkreis mit den beschriebenen Problemen gehört, dürfte in der Regel auch einen anerkannten Pflegegrad haben und damit auch mindestens eine anerkannte Pflegeperson und/oder einen Pflegedienst.

Die Begleitung zu Arztbesuchen und Therapien gehört ausdrücklich zu den Maßnahmen, welche bei der Pflegebegutachtung erfragt und bei der Bemessung des Pflegegrades mit berücksichtigt werden müssen. Die betroffenen Personen müssen ja nicht nur beim derzeit anstehenden Impfen, sondern auch sonst oft bei Arztbesuchen Unterstützung erfahren.

Auch die Impfhilfe kann entsprechend aus der ohnehin laufenden Leistung der Pflegeversicherung geschöpft und von denjenigen Pflegepersonen erbracht werden, welche auch sonst zum Beispiel bei Arztterminen helfen. In der Regel dürfte es besonderer anderweitiger Unterstützung somit nicht bedürfen. Es sei denn, die Zahlungen der Pflegeversicherung sind bereits vorher zweckentfremdet und nicht zur Mitfinanzierung von personeller Unterstützung verwendet worden.

Es dürfte indes nur ein sehr geringer Prozentsatz von Personen verbleiben, die keinen Pflegegrad haben und dennoch umfassendere Unterstützung bedürfen. Diesen muss zunächst unbürokratisch geholfen und dann gegebenenfalls zeitnah eine Leistung der Pflegeversicherung angeboten werden.