weather-image
×
Ein Leserbrief von veröffentlicht am 12.08.2019 um 20:26 Uhr

Finger weg vom Bürgergarten

Mit Bürgergarten positiven Beitrag zur ökologischen Bilanz leisten

550 Quadratmeter, über ein Viertel vom Bürgergarten „abzwacken“ nur wegen der Bequemlichkeiten von Radfahrern, die keinen „Schlenker“ fahren möchten? Haben denn die Grünen schon gesagt, wie viele Bäume und Sträucher dafür im Park und davor fallen müssen?

Zu: „Geradeaus ohne Schlenker“, vom 24. Juli

Wie passt das denn mit ihrem Verständnis zur Begrünung der Innenstadt zusammen? Ist wirklich geplant, einen zugepflasterten, zubetonierten Radweg zu schaffen, anstatt die ohnehin bescheidene „grüne Lunge“ Hamelns zu erhalten oder sogar noch zu erweitern? So, wie unser Alt-Ratsherr Paschwitz ganz richtig sagte: „Der Bürgergarten ist eine heilige Kuh, da sollte man die Finger von lassen.“ Das hat er zwar anders gemeint, aber es stimmt trotzdem.

Auch wenn der Stadtsprecher etwas ironisch meint, dass gerade für die älteren Bürger „früher sowieso alles besser gewesen sei“, ja, war es, zumindest was das Grün in der Innenstadt betrifft! Auch die Bemerkung: „Wir wollen aus der Altstadt doch keinen Bürgergarten machen“ ist schon ziemlich zynisch und zeigt, dass die Stadt Hameln das Thema „Grün“ offenbar nicht mag. Zum Glück setzt sich bei uns so langsam die Erkenntnis durch, dass die Altstadt ungemütlich und steril geworden ist. Grünzeug und Bäume scheinen lästig und nur ein arbeitsintensiver Kostenfaktor zu sein.

Außerdem fehlen, gerade für die Touristen und älteren Bürger, Sitzgelegenheiten, auch davon gab es früher wesentlich mehr und wurden unter schattenspendenden Bäumen und Grünzeug in der Altstadt viel und gerne genutzt. Niemand setzt sich auf die seltsamen, niedrigen Steinpoller, die auf der Oster- und Bäckerstraße als angebliche Sitzgelegenheiten verteilt sind, nur Hunde nutzen sie gerne als „Pinkelsteine“.

Ein bescheidener, kostengünstiger Vorschlag, ohne etwa einen kostenintensiven Grünarchitekten zu beauftragen. Man könnte z. B. die „Pinkelsteine“ mit Ruhebänken versehen, die paar Bäumchen ringsum mit Palisaden oder Steinen erhöhen, mit Bänken umrunden und den Innenraum um die Bäume herum begrünen. Und natürlich den Bürgergarten so lassen, wie er ist, auch wenn er, im Vergleich mit anderen Städten, lieblos wirkt. Das wäre immerhin ein Anfang. Angesichts des hiesigen, dramatischen Waldsterbens, der verheerenden Flächenbrände in Kanada, Russland, China, sowie der maßlosen Abholzungen der Regenwälder in Brasilien, Indonesien u. a., sollte unser Hameln zumindest einen kleinen, positiven grünen Beitrag zur ökologischen Bilanz beitragen und nicht jeden Baum oder Strauch als „Feind“ oder Kostenfaktor betrachten.

Was aus dem nunmehr baumlosen Kastanienwall werden soll, hätte man natürlich schon längst geklärt haben können. Es gibt hier noch nicht einmal mehr eine vernünftige Baumschutzsatzung, dies sagt schon alles über das dürftige, grüne Bewusstsein der Stadt Hameln aus. Das hat nichts mit Parteienideologie zu tun, sondern ist angesichts der sich immer deutlicher abzeichnenden Klimaveränderung eine Notwendigkeit.