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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 30.08.2021 um 21:35 Uhr

Leserbrief

Mit Betroffenheit und zunehmendem Zorn

Zu: „Mit dem Kopf durch die Scheibe“, vom 26. August

Liebe Verkehrsplaner der Stadt Hameln, mit Betroffenheit und zunehmendem Zorn lese ich über den bedauernswerten Unfall des jungen Rennradfahrers am Morgen des 25. August. Dieses Geschehen war der Tropfen, der mein übervolles Geduldsfass zum Überlaufen brachte.

Ja, er fuhr auf dem ersten kurzen Stück der Bahnhofstraße entgegen der Einbahnstraßenregelung, statt durch den bestuhlten Gehweg zu schieben. Warum beginnt der offizielle, neue rote Fahrradweg, der dies in Richtung Bahnhofskreisel erlaubt, erst ab Vizelinstraße? Vermutlich wollte der 22-Jährige auf dem kürzesten Weg zum Bahnhof gelangen. Hätte er der tosenden, engen Deisterstraße folgend die Kreuzstraße nehmen sollen, angehupt als Verkehrshindernis oder sicherheitshalber auf dem Bürgersteig, den Fußgängern im Slalom ausweichend?

Haben die Verkehrsplaner einmal versucht, verkehrsregelkonform von der Weserpromenade (Weser-Radweg) auf die „richtige“, gleich rechte Seite der Münsterbrücke zu gelangen? Alternative 1: Spitzkehre nach Brückenunterführung, Treppen bei Elisabeth-Selbert-Schule hochwuchten; Alternative 2: größerer Anlauf über die 1000 Ampeln vom Münsterwall und Mühlenstraße plus einen Tag Urlaub.

Ein Desaster und Ärgernis: die neue Kuhlmann-Fluthamelstraßen-Situation sowie die Am Hastebach in Höhe der Fluthamelquerung, wo man jeweils stadtauswärts unter halsbrecherischen Bremsmanövern gezwungen ist, die Fahrbeinseite auf links zu wechseln. Hier angelangt rechnen ausfahrende Pkw nicht mit von rechts kommenden Radlern. Oder von Kuhlmannstraße in Richtung Bahnhof: 1000 Ampeln, ein Tag Urlaub. Und wechselt man entnervt auf die Fahrbahn, schlägt einem das Recht des vermeintlich missgünstigen Stärkeren (SUV-Fahrers) in Form von maßregelnden, wüsten Beschimpfungen, Hupen und/oder Abdrängen entgegen.

Ich vermisse durchdachte, attraktive Konzepte, die der ökologischen Verkehrswende den (Fahrrad-)Weg bereiten, Unfallgefahrenstellen und ständiges Ausgebremstwerden beseitigen, Lust auf den Umstieg auf alternative Verkehrsmittel machen, in einem Wegenetz auf Augenhöhe mit gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern. Einen Anreiz schaffen, seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern, sich mit Freude und Verstand fortzubewegen, welches sich am Ende widerspiegeln wird in einem rücksichtsvollen, stressfreien und wohlwollenden Miteinander.

In Gedanken bei dem schwer verletzten jungen Radfahrer und seiner Familie mit besten Genesungswünschen.