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Ein Leserbrief von veröffentlicht am 29.08.2021 um 21:11 Uhr

Mehr Ehrlichkeit nötig

Die Montagsfrage der Redaktion im Dewezet-Newsletter widmete sich dem Wahlkampf. Es wurde die Frage aufgeworfen, was die Leser im Wahlkampf vermissen? Die Fragen wurden unter anderem mit „Ehrlichkeit“ beantwortet. Die Forderung (nicht repräsentativ) besteht aus meiner Sicht zu recht, zumal es genügend Negativbeispiele gibt.

Mir ist erinnerlich, dass der ehemalige Chef der SPD-Kreistagsfraktion, Ulrich Watermann (MdL), mit den Kommunalwahlen 2016 ein politisches Schicksal erlebte, in dem er auf Platz 2 der Liste für den Kreistag nicht gewählt wurde. Er erhielt zu wenig Wählerstimmen. Seine persönliche Einlassung dazu: „Das habe ich falsch eingeschätzt.“ Kurzerhand erklärte die SPD-Erstplazierte Heike Beckord, die mit 520 Stimmen über die Liste gewählt worden war, ihren Verzicht auf den Sitz. Die damalige fadenscheinige Begründung: „Hoher Zeitaufwand für die Ratsarbeit in Bad Pyrmont.“

Herr Watermann nahm das Mandatsgeschenk an und hatte von Beginn an Sitz und Stimme im Kreisparlament. Aus einer Wahlniederlage wurde nach einem taktischen „Rettungsmanöver“ ein unglaublicher und unehrlicher Einzug in den Kreistag Hameln-Pyrmont.

Der Wählerwille wurde ignoriert, in dem 520 Stimmen einem nichtgewählten Kandidaten zugeordnet wurden. Obwohl der Vorgang rechtskonform war, hat er infolge Unehrlichkeit erhebliche Empörung ausgelöst. Das krasse Beispiel offenbart, dass derartige Machenschaften mit dem moralischen Kompass nicht kompatibel sind. Das hat mit Ehrlichkeit nichts gemeinsam.