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Zu: „Wie ist das Jahr gelaufen, Herr Landrat?“, vom 31. Dezember

Landrat lässt den Dingen ihren Lauf

Wer klare Statements von Landrat Dirk Adomat erwartet hat, der wurde arg enttäuscht. Tatsächlich hören sich die Antworten eher nach einem Laisser-faire-Führungsstil an.

veröffentlicht am 15.01.2021 um 18:51 Uhr

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Dazu fünf Beispiele:


1. Eine vordringliche Pflicht des Landrates wäre es gewesen, den Lügde-Skandal und das hiermit in Zusammenhang stehende Versagen des Jugendamtes Hameln aufs Schärfste zu verurteilen. Alles andere kommt einer neuerlichen Verachtung der Opfer gleich. Ebenso wichtig wäre aber auch ein klares Bekenntnis für eine vorbehaltlose Aufarbeitung. Kaum jemand hat Verständnis dafür, wenn ein Versagen des Dienstherrn quasi noch mit einer Art Bonus belohnt wird und die Behördenmitarbeiter den Schlamassel allein ausbaden müssen. Reine Lippenbekenntnisse sind da bei weitem zu wenig.


2. Für das Filialsterben bei den Sparkassen mag es viele Gründe geben. Fest steht aber auch, dass davon ein großer Bevölkerungsanteil betroffen ist. Der Landrat hätte die Druckmittel, um dem unliebsamen Trend entgegenwirken zu können. Er ist Vorsitzender des Verwaltungsrates, und der Landkreis ist am Zweckverband beteiligt.


3. Ein Gedenken der vielen leidvollen Opfer der NS-Regimes ist sicherlich eine moralische Verpflichtung, ebenso wie nachfolgende Generationen zu mahnen, dass sich ein solches völkerrechtliches Verbrechen nicht wieder ereignet. Das bedeutet aber keineswegs ein Diskussionsverbot über die Kosten für die Gedenkstätte. Mancher Bürger erachtet Ausgaben in Höhe von zirka 1,3 Millionen Euro für weit überzogen. Hier die Wogen zu glätten, wäre auch eine wichtige Aufgabe für den Landrat.


4. Endlich nach vielen Protesten vor allem junger Menschen in der ganzen Welt wacht auch unser Landkreis aus dem Dornröschenschlaf auf und will sich intensiver den dringenden Fragen des Umweltschutzes widmen. Es soll eine Ökoregion gegründet werden. Na großartig. Eine Ökoregion bezeichnet allerdings nur erst einmal ein Gebiet mit charakteristischen Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Und was hat das genau mit Umweltschutz und einer Umstellung der Dienstfahrzeuge auf E-Betrieb zu tun? Das soll der Landrat doch bitte mal näher erklären. Die verkauften Fahrzeuge werden jedenfalls nicht schon dadurch umweltfreundlicher, dass sie nicht mehr von Behördenmitarbeitern des Landkreises gefahren werden.
5. Ohne Frage sind ehrenamtliche Tätigkeiten gerade in Corona-Zeiten zu würdigen. Den freiwilligen Helfern mangelt es aber weniger an gutgemeinten Ratschlägen als vielmehr an einer finanziellen Unterstützung ihrer gemeinnützigen Projekte. Ein Landrat täte gut daran, den Interessen der Allgemeinheit immer den Vorrang vor den persönlichen Herzensangelegenheiten zu geben.

Fazit: Die Stärken des Landrates liegen sicherlich nicht in der Intervention, vielmehr lässt er den Dingen lieber ihren Lauf. Das macht es aber anderen Akteuren leicht, selbst zu agieren. Ob das so vom Wähler gewollt war, erscheint fraglich.



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